Freitag, 24. Januar 2014

"miau"

Jetzt sind wir nur noch drei. Vor einer Woche mussten wir schweren Herzens den Kater einschläfern lassen. Plötzlich, scheinbar über Nacht ging es ihm so schlecht, dass wir gar nicht richtig realisieren konnten was geschieht. Am Tag vor der Spritze lag der Kater abends bei mir auf den Beinen und sah mich ganz feste an. Zuvor hing er eine Nacht in der Tierklinik an der Infusion. Am Wochenende. 300 Euro für Blutuntersuchung und Ultraschall. Nun dachte ich, er würde es schaffen, denn zuhause angekommen fraß und trank er wieder. Und dennoch hatte er diesen Blick in den Augen, der mir ein ungutes Gefühl gab. Das Rehlein ließen wir zu ihm als er in seiner Katerbox saß. Das Rehlein war ganz aufgeregt. Was macht der "Miau" nur in der Kiste?! Die kleinen Finger in die Löcher gesteckt, versuchte es mit ihm Kontakt aufzunehmen. Der Hund spürte so oder so dass etwas nicht stimmte. Einmal wurde dem Kater durch Gesicht geleckt, dann wendete sich der Hund mit geducktem Kopf wieder ab.
Im Sprechzimmer der Tierarztpraxis angekommen, war ich es dann auf einmal, die die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Mir war klar, dass wir ihn nicht mehr mit nachhause nehmen würden. Das Rehlein war bei der Oma, da musste ich auf niemanden Rücksicht nehmen. Verständnisvolle Blicke der anderen Frauchchen und Herrchen wechslten sich ab.
Es ging alles sehr schnell. Jetzt liegt er bei uns im Garten. Nein, ein 1 Meter tiefen Loch buddelst du nicht mal so eben. Vor allem nicht, wennn es am Beetrand neben sämtlichen Sträuchern und Bäumen entstehen soll. Viele Wurzeln später fand er dann endlich seinen Platz. Der Kratzbaum steht im Keller, die verbliebenen Spielzeuge und Leckerlies stehen schon zur Weitergabe bereit und ich wundere mich immernoch jeden Tag darüber, wieviele Haare der Kater täglich verloren haben muss. Es müssen Tonnen gewesen sein! Auf jeden Fall sind sie jetzt alle weg. Genau wie das Getrippel auf den Dielen. Kein Begrüßungsmaunzen am Morgen, kein "ich will sofort da rein" Gekratze an der Tür. Ich möchte keine Katze mehr. Nicht jetzt und auch nicht später. Das muss ich so hart sagen, weil sich sonst der Platzhirsch sofort eine Lücke zur Diskussion sucht. Er würde wohl sofort wieder Katzen rückfällig werden. Sein Name war Franky, benannt nach Frank Sinatra.
Er hat Spuren hinterlassen der "Miau". Jede Heimfahrt im Auto werde ich durchs Rehlein an ihn erinnert.
R: "hause!"
ich: "ja, wir fahren nach hause"
R: "Papa!"
ich: "ja, der Papa ist zuhause"
R: "Rieda!"
ich: "genau, die Frieda ist auch zuhause"
R: "Miau!"
ich: "ja......der Miau ist jetzt im Garten...."
Stille. Und jedes mal kommt ein paar Sekunden später noch ein leises "miau" von der Rückbank.

Dienstag, 14. Januar 2014

Ich will Magic!

Heute möchte ich euch von einem Erlebnis berichten, welches mich dazu gebracht hat, mir mehr Magic in meinem, aber vor allem, im Leben meines Kindes zu wünschen.
Vor drei Jahren erzählte mir meine Kollegin in der Kita von einem Projekt zu Weihnachten. Es ging um ein fiktives Wesen, welches die Kinder in vier Stuhlkreisen auf das Weihnachtsfest hin begleiten sollte. "Bella Wolke" sollte sie heißen und ganz ohne konfessionelle Richtlinien auskommen. Sie gibt den Kindern kleine Aufgaben, wie Plätzchenbacken und Baumschmuck basteln und soll im Wesentlichen die geheimnisvolle Zeit und das Gefühl von Begeisterung und Spannung widerspiegeln. "Das ist Magic, weißt du?" sagte sie und ich wusste was sie meinte.
Sofort formte sich ein Bild von Bella in meinem Kopf; wie sie im weißen Glitzerkleid mit einer lieblichen Stimme und fröhlichen Geschichten die Kinder verzaubern könnte.
Da es Keiner machen wollte und ich eh schon immer gerne schauspielerte, stellte ich mich zur Verfügung. So konnte ich Bella so darstellen, wie ich wollte und würde die staunende Aufmerksamkeit der Kinder genießen. Jeder, der es schon einmal erlebt hat, weiß, wie wundervoll es ist, wenn ihn von Vorfreude glänzende Kinderaugen anschauen und sie bereit sind, dir stundenlang zu folgen, vorausgesetzt deine Show ist es wert.
So begannen die Vorbereitungen. Ich schrieb Briefe mit Glitzer im Umschlag, in denen Bella den Kindern von ihrem Besuch erzählte. Die Eltern wurden ebenfalls neugierig und fragten sich wohl, was das mit Weihnachten zutun haben könnte.
Als der große Tag dann kam, hatten wir alles, wirklich alles rausgeholt, was der Verkleidungsfundus so hergab. Das Hochzeitskleid meiner Mutter, Federboa, Barrokperrükke und pinke Fakewimpern, Geschmeide, Seidenhandschuhe und ein Kinderarztkoffer, der mit Hilfe von Watte zum Wolkenkoffer umfunktioniert wurde, machten das Outfit perfekt.
Ihr müsst euch das so vorstellen: Abgedunkelter Flur, alle Kinder sitzen im Kreis und schauen gespannt zum königlichen Stuhl, der extra für Bella dekoriert wurde. Wir hatten so einen Spaß bei den Vorbereitungen, da wollten wir auch nicht auf die Nebelmaschine verzichten, welche die Reise aus den Wolken noch autentischer machen sollte.
Also Knopf gedrückt und mit einem leisen Zischen hüllt sich der Eingangsbereich der Kita in weißen Nebel. Ooooohhhh, aaaahhhhhhhh :-)
Alle Kinder rufen nach Bella. Ich derweilen im Büro, startklar, muss durch das Bürofenster kraxeln, um dann vorne durch die Eingangstür zu schreiten. In meinen Hochzeitsschuhen und im damals eingeschneiten Velbert gar nicht so einfach. Ich hoffe so sehr, dass mir diese Erinnerung ewig bleibt. Wie sie staunen, die Hände vor den Mund schlagen, schüchtern lächeln, dir jedes Wort glauben und ungeduldig auf dem Boden rumrutschen, weil auch sie dir etwas sagen möchten. Nach 20 min war alles vorbei. Ich wieder raus, ins Büro geklettert, abgeschminkt. Ich hatte mein Gesicht noch nicht ganz vom Glitzer befreit, als ich lachende Kindertsimmern hörte, die im Flur anscheinend etwas tolles gefunden hatten. Ein Blick aus der Türe erlaubte mir zu erleben, wie zwei Mädchen und ein Junge mit ihren Händen über den Flurboden wischten, um den dort gesammelten Glitzerstaub in ihren Hosentaschen verschwinden zu lassen. "Da! Da ist noch Bellas Zauberstaub!" rief der Junge und sie verloren sich dabei die Handinnenflächen zu bestaunen und sich zu überlegen, was man sich nun damit verzaubern oder wünschen könnte.
Das meine Lieben ist die Magic. Vorstellungskraft, Fantasie und Wünsche vereint mit einem warmen Gefühl im Bauch.
So ungefähr so die "Bella - Post" aus
Als ich mich im letzten Stuhlkreis von den Kindern verabschiedete, ahnte ich nicht, was ein Satz für Auswirkungen haben würde :" und Kinder, wenn ihr mal eine Wolke am Himmel seht...wer weiß, vielleicht bin ich es, die da oben auf meiner Wolke einen Ausflug macht!"
Noch Monate später im Frühling schauten immer mal wieder Kinder zum Himmel, zeigten auf die Wolken und waren sich 100% sicher, Bella entdeckt zu haben. Eltern erzählten, dass Bellas Foto, welches alle Kinder bekommen hatten, immer noch über dem Bett hänge. So eine Nachhaltigkeit hatten wir nicht ewartet. Im nächsten Jahr war ich schon in Elternzeit und man versuchte ein anderes Weihnachtsprojekt. Als mich letztes Jahr meine Kollegin fragte, war mir sofort klar, dass die Kinder mal wieder ein wenig Magic gebrauchen könnten. Und so verbrachte das Rehlein in der Vorweihnachtszeit etwas mehr Zeit mit Oma und ich fuhr im Dezember öfters nach Velbert.
Das Leben ist mit Magic einfach besser! Würden wir uns mehr in die kindliche Welt begeben, öfters ihren Ideen nachgehen und dies mit Leichtigkeit und Naivität, hätten wir mehr Spaß. Und da ich zu einem absoluten "Magic im Alltag"  Fan geworden bin, komme ich täglich in den Genuss. Auch wenn das bedeutet, wegen den Tauben in der Fußgängerzone einen Termin zu verpassen oder vom Fenster aus den Mond zu beobachten und gemeinsam zu verarbeiten, dass man da jetzt eben nicht "drauf" kann.
Ich danke meiner lieben Kollegin dafür, dass ich nun den Begriff "Magic" immer in Verbindung mit Kindern sehe. Es beinhaltet soviel und doch ist es mit so einfachen Mitteln zu erzeugen. Wenn ich im August zurück in den Job gehe, schlage ich mal bunte Hasenköttel (natürlich gebastelt) für die Osterzeit vor. Wäre es nicht voll Magic, wenn die Kinder die auf der Wiese finden?

Freitag, 20. Dezember 2013

noch 8 Monate

Manchmal habe ich das Gefühl, ich lebe nur noch für die Zukunft. Was steht nächste Woche an? Wann wird das Rehlein 1 1/2 Monate alt? Jetzt Weihnachten, dann Ostern. Bald kommt das Rehlein in die Kita und ich muss wieder voll arbeiten. Ein Glück, dass ein Kind dich immer wieder in die Gegenwart schmießt und dich quasi zwingt sich im Hier und Jetzt zu bewegen. Heute morgen um 6:30 Uhr dachte ich noch, ich würde über eine erneut schwierige Phase bloggen, die mich in den letzten drei Tagen viele Nerven gekostet hat. Jetzt spielt das Kind schon seit 1 Stunde friedlich auf dem Sofa mit seinen kleinen Puppen. So lerne ich erneut, nicht an irgendwelchen Erwartungen festzuhalten, sondern sich einfach auf den Tag einzulassen. Ich habe also Zeit, hier zu schreiben, meinen Kaffee zu schlürfen und das Rehlein zu beobachten. Jeden Tag kommt nun ein neues Wort, ein neuer Zusammenhang. Schöne Momente voller Staunen und Verwunderung werden uns geschenkt. So macht es zum Beispiel bei allem, was es tut, so lustige Geräusche. Es kommentiert alles. Mit "Oh"!, "Hihi" oder "Wups" (Schwups) bringt es mich dazu meine Tätigkeiten zu unterbrechen und ihm zu folgen. Ein gutes Team sind wir geworden, verstehen uns oft auch ohne Worte. So erwische ich mich täglich dabei, wie meine Gedanken um die Sorge kreisen, im Sommer so vieles nicht mehr mitzubekommen. Das Kind loszulassen. Ich bruhige mich dann damit, dass es noch 8 Monate sind, bis wir diesen Schritt gehen. Doch bitte! Was sind 8 Monate? Genau die Hälfte vom bisherigen Leben des Rehleins.16 Monate ist es jetzt alt und und bringt uns dazu, jeden Abend vor dem Schlafengehen, nicht mehr "Gute Nacht", sondern "Heute war doch besonders süß, süßer als sonst!" zu sagen.
Wir freuen uns so sehr auf Weihnachten! Es ist erst ein richtiges Weihnachtsfest, wenn Kindergetrappel im Haus zu hören ist. Morgen kaufen wir einen Tannenbaum und ich werde die alte "Christmas - best of hits" rauskramen, um ihn am Abend traditionell mit einem sentimentalen Gefühl im Bauch zu schmücken.
Und wenn dann der Jahreswechsel kommt, mit unaufgeregtem Abend, gemütlich in Jogginghose vor dem Fenster hängend, nehme ich mir für 2014 vor, die nächsten acht Monate zu den Längsten in meinem Leben zu machen.

Dienstag, 19. November 2013

Marte Meo - entschlüsselt die Botschaft eurer Kinder!

Heute möchte ich über etwas schreiben, dass meine Arbeit mit Kindern und Eltern, sowie meine eigene Entwicklung grundlegend verbessert hat. Meine Chefin, mittlerweile darf ich sie auch eine Freundin nennen, erzählte mir während der Arbeit von einer Methode, die mit einfachsten Mitteln Kinder in ihrer Entwicklung unterstützt. Sie habe dabei schon Erstaunliches erlebt und könne sich vorstellen, dass dies auch für mich etwas wäre. Sie sprach von der Marte Meo Methode. Da sie selber die Ausbildung zur Supervisiorin machen wollte, war sie auf der Suche nach Interessenten für die Marte Meo Therapeutenausbildung. Sie wollte mich also ausbilden. Das erschien mir als eine praktische Sache. Schließlich arbeitete ich täglich mit Kindern, Eltern und Kolleginnen und hatte sie als "Mentorin" ständig um mich. Sie beschrieb die wichtigsten Elemente und da mir alles so logisch erschien, wollte ich das Erlernte direkt ausprobieren. Ein 6 jähriger Junge, Diagnose: Emotionale Entwicklungsverzögerung, sollte mich zum Beginn einer wundervollen Reise führen. Der Junge fiel unter anderem damit auf, dass er kaum Augenkontakt hielt und bei der kleinesten Anforderung dicht machte. Ich setzte mich zu ihm an den Maltisch und wartete. Ich wartete darauf, dass er irgendeine Initiative zeigte. Als er sich ein Blatt zum Malen nahm, benannte ich seine Handlung :" Oh, du nimmst dir ein Blatt!" Er begann zu malen und wenn man ganz aufmerksam war, konnte man erkennen, dass er mit gesenktem Kopf immer mal wieder zu meinen Händen schaute. Er nahm also Kontakt auf, auch wenn dies nur sehr "leise" geschah". Ich benannte 30 min lang jede seiner Handlungen : " Jetzt malst du einen Punkt...oh ganz viele Punkt, Punkt, Punkt und jetzt einen Kreis." das Benennen der Handlungen ist ein wesentlicher Teil von Marte Meo. Zum Ende dieses Treffens sah er mich einmal an. Direkt in die Augen. Er wollte Bestätigung, dass ich weiter passend zu seinen Taten etwas sagte. Dies war der Moment, indem der Funkte übersprang und ich wusste: Das will ich machen, ich will Marte Meo Therapeutin werden. Natürlich gehört mehr dazu, als nur zu reden. Man analysiert das Verhalten der Kinder, erstellt Entwicklungsdiagnosen, wertet Filme aus und bespricht diese mit Eltern oder auch Fachpersonal. Doch das Entscheidene für mich, war die Erkenntnis, wie man Kontakt zu jedem Kind bekommt, egal ob man sich kennt oder völlig fremd ist. Ich kann nur sagen, dass ich mir einige Tage und zahlreiche Übungsversuche später, wie der Rattenfänger von Hameln vorkam, da ich überall in der Kita einen Schwall von Kinder hinter mir herrennen hatte.
Jetzt liegt der Abschluss meiner Prüfung schon über ein Jahr zurück und ich habe begonnen unterschiedliche Kurse, Elternabende und Spielgruppen zu leiten. Eine tolle Möglichkeit in der Elternzeit im Thema zu bleiben und etwas dazuzuverdienen. Am liebsten würde ich Halbtages in meinen Job zurückkehren und nach Bedarf mit Marte Meo arbeiten. Doch sieht unser Finanzplan bis jetzt nicht vor.
Es ist nicht so einfach, Marte Meo ohne die passenden Bilder zu erklären. Am Besten geht dies mit Videoaufnahmen von alltäglichen Situationen mit Kind und Eltern. Doch es war mir ein Bedürfnis hier davon zu berichten, denn dies spielt auch in der Erziehung zum Rehlein eine wichtige Rolle. Auch der Platzhirsch wendet es täglich an. Ganz ohne Ausbildung :-) Ich denke also, dass auch Eltern mit gut entwickelten Kindern davon provitieren können. Sich selber auf einem Film mit seinem Kind zu erleben und zu erkennen, wie man jedes Verhalten positiv unterstützen oder eben auch verändern kann, ist für alle Mamas und Papas ein spannedes Erlebnis. Zudem hat man immer einen roten Faden und weiss sich auch in schwierigen Situationen zu helfen. Wer mehr Fragen dazu oder grundsätzliches Interesse daran haben sollte, kann meiner Facebookgruppe beitreten. Hier gibt es ständig neue Infos, Raum für Fragen und viele Beispiele, die klar machen, worum es geht. Also traut euch und entschlüsselt die Botschaft eurer Kinder!!!
PS: Hier seht ihr mein eigenes Logo :-) *stolz*

Sonntag, 27. Oktober 2013

Morgenstund hat Kram im Mund

Wenn du heute Morgen von deinem persönlichen Handmade Bio Wecker, von dem in 99% der Fälle wahrscheinlich aus evolutionären Gründen nur die Frauen geweckt werden, aus dem Schlaf rerissen wirst und es schaffst, auf einer 10 Meter langen Strecke, 5x barfuß auf ein Spielzeug zu treten, bevor du beim Anblick deines morgentlichen Weckdienstes all den Schmerz vergisst, dann weißt du, du bist im Elternclub.
Heute Morgen war es dank Zeitumstellung gerade mal 5:30 Uhr, als ich mich, wie jeden Morgen dazu endschied, mir mein Kind zu schnappen, um den täglichen "Wir legen uns jetzt noch mal kurz hin - Versuch" zu starten. Die Frage ist, warum tue ist das? Weiß ich doch schon vorher, dass hier außer dem Platzhirsch, der meine Abwesenheit erst gar nicht bemerkt hat, niemand mehr schlafen wird. Doch die reine Vorstellung davon, die Augen noch 5 min schließen zu können, ist einfach zu verführerisch. Dass das Rehlein noch einmal in unserem Bett einschläft, ist bereits ein halbes Jahr her. Jetzt schläft es durch und sieht somit auch keine Notwendigkeit dafür. 11 Stunden Schlaf sind ja auch super für ein 14 mon altes Kind.
Ich tue es aber wie gesagt trotzdem und lege uns im Dunklen nebeneinander. Das Licht der Straßenlampen scheint durch das Rollo und für ein paar Sekunden ist das Rehlein von diesem Lichtspiel so faziniert, dass ich mich mit einem tiefen Seufzer meiner Vorstellung vom Weiterschlafen hingebe. Nur kurz, denn ich habe einen Finger in der Nase und es ist nicht meiner. Als ich meine Augen öffne, hockt das Rehlein ganz nah vor meinem Gesicht und ruft : " Daaaaaaa!" steckt seinen anderen Finger in mein Auge und lässt einen langen Sabberfaden in meinen Ausschnitt tropfen. Ok, es muss ein Ablenkungsmanöver her. Kurzere Griff auf die Fensterbank und siehe da, es hat sich für die Rehleinbespaßungszeit eine beachtliche menge an Kram angesammelt. Ich gebe meiner Tochter ein Teil nach dem anderen. Das eine mehr, das andere weniger lange interessant. Hin und wieder landet etwas davon in meinem Mund. Es macht sooo viel Spaß die Mama zu füttern. Da muss man nur ein bischen fester drücken, wenn die ihren Mund nicht auf macht! Kopfweckdrehen hilft da übrigens nicht. Ich habe immer eine Hand an ihrem Schlafsack, damit sie mir nicht doch einmal unbemerkt vom Bett krabbelt. Doch dafür müsste ich ja einschlafen und das ist...du weißt schon. Eigentlich ist das Rehlein nicht so von der wilden Sorte. Doch morgens im Bett von Mama und Papa, da kann mann sich schon mal wie ein kleiner Kampfwestler verhalten. ich glaube ja, es ist Liebe, wenn sie sich ohne Voranmeldung mit voller Wucht auf meinen Kopf schmeißen lässt. Nicht selten gab es Tränen. Bei mir. Lass dir mal eine unerwartete Headnut aus 1 Meter Entfernung von einem Kleinkind geben. Da habe ich den Sternenhimmel im Schlafzimmer inklusive! Spätestens dann ist schluss mit dem Versuch es sich noch einmal gemütlich zu machen. Schluss mit Kuscheln, schluss mit müde. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn das Rehlein nach 45 min  Babykauderwelschgequassel mir auf die Frage hin : " sollen wir mal aufstehen?" ein ganz klares "ja,ja,jaaaa!" antwortet. Darauf hat es ja auch fleißig hingearbeitet.
An alle zukünftigen Eltern: SCHLAFT, SCHLAFT UM EUER LEBEN!
Und wartet nicht so lange mit dem Kinderkriegen. Jeder Tag entschädigt euch 1000 mal für den Morgen!

Samstag, 12. Oktober 2013

home sweet home

Der erste Urlaub mit Kind liegt hinter mir und ich habe, neben den vielen schönen Erfahrungen, auch zahlreiche Erkenntnisse sammeln können. Zum Besipiel, dass nicht nur ich besser im eigenen Bett schlafe, sondern anscheinend auch mein Rehlein zu den Gewohnheitsschläfern gehört. In der Schweiz hatten wir ein großes Reisebett zur Verfügung, welches breiter und weicher ist als ihr eigenes Bett zuhause. Trotz Kuschelhase, Rituale usw waren die Nächte für mich anstrengender als in den wildesten Stillnächten. So war das Kind z.B. am ersten Morgen der Meinung die Nacht sei um 4:00 Uhr zu Ende. Oder man könne mal von 1:00 Uhr bis 3:00 Uhr spielen. Grundsätzlich endete meine Schlafzeit spätestens um 6:00 Uhr. Das ist sicher für viele Mütter und deren Kinder nichts Ungewöhnliches, doch wir brauchten uns nie den Wecker stellen, denn das Rehlein wurde stets gegen 7:30 Uhr wach. Ohne Ausnahmen. Alles anders im Urlaub. Zum Glück gab es kostlichen Kaffee, der mir den Morgen versüßte. Eine weitere Erkenntnis ist, dass ich wirklich das absolut liebste Autofahrtenkind habe, das es gibt. Weder bei der Hin noch auf der Rückfahrt knatschte das Rehlein. Immer hin sechs Stunden dauert die Fahrt. Ein monströses Fresspaket und das über den Haufenwerfen aller Essenszeiten, zeigte sich hiebei als sinnvolle Unterstützung. Ich bin immer noch überrascht, wie man als 14 monate altes Menschlein 1 1/2 Bananen, 1 Butterknoten, 4 Quetschies, 2 Müsliriegel und unzählige Trauben  innerhalb so kurzer Zeit verdrücken kann.
Ohnehin hat das Rehlein während unseres Aufenthaltes mehr als sonst gegessen. Vielleicht lag es an meinen Eltern, die die Tischrunde erweiterten oder an ihrem Spaß, den sie hatten beim Beobachten des mampfenden Kindes. Auf jeden Fall hat das Rehlein seinen starken Willen bewiesen, alles und wirklich jedes Lebensmittel probieren zu wollen. Als ich dann der Meinung war, ein Ei genügt zum Abendbrot, zeigte sich mir und meiner Mutter ein kleiner Wutzwerg, der meine Tochter so sehr in Beschlag nahm, dass sie vor lauter Frust gar nicht mehr wusste wohin mit sich. Emotionsregulierung sei dank, hielt es nicht allzu lange an.
Die Schweiz hat mich erneut mit ihren Bergen und Seen verzaubert. Mit Strickkram oder Buch in der Hand kommt man nur bedingt zur eigentlich geplanten Sache, wenn man einen Panoramablick über den Sarnersee genießen kann! Trotzdem hat das Rehlein jetzt eine neue Mütze, nen Loop und ein Stirnband. Strickskill gestiegen.Die Wette, die ich mit dem Platzhirsch vor dem Urlaub abgeschlossen habe, hat er übrigens verloren. Das Rehlein hat nicht das Laufen auf Schweizerboden begonnen. Dafür steht sie frei und hat sämtliche Tierlaute eingeübt. Muss man ja auch draufhaben, trifft man jeden morgen die Kühe, Schafe und Enten im Dorf.
Mein Vater fuhr mit ihr jeden Morgen für eine Stunde ins Dorf. Das bedeutete für mich in Ruhe Duschen. Mein täglicher, persönlicher Luxusmoment. Überhaupt ist das Verreisen mit den Großeltern für Kinder eine tolle Sache! Es gibt immer jemander, der zum Bespaßen bereit ist und man kann quasi dabei zusehen, wie sich täglich die Bindung stärkt. Der Opa hat es dem Rehlein besonders angetan. Zweimal hat sie es schon gesagt : " Ohhhba!" Neben meinem Mann sind meine Eltern auch die einzigen, mit denen ich es für 10 Tage aushalten würde. Wir haben uns super verstanden und trotzdem macht sich immer noch nach 24 Stunden Heimat das "home sweet home" Gefühl bemerkbar. Denn da ist ja bekanntlich auch am Schönsten. Und das sieht wohl auch das Rehlein so, denn es schlief heute morgen endlich mal wieder bis 7:15 Uhr




Dienstag, 1. Oktober 2013

Grüezi! Die Taschen sind gepackt

Wir fahren morgen für zehn Tag mit meinen Eltern in die Schweiz. Wir, das sind das Rehlein und ich. Der Platzhirsch muss zuhause bleiben, arbeiten und Hund und Kater hüten. Das ist hart für ihn. Seit der letzten Woche schaut er das Rehlein immer mit so einem verletzlichen Blick an, als würde sie für Monate das Land verlassen. Ich habe vollstes Verständnis dafür. Keinen Tag würde ich freiwillig auf sie verzichten. Die größte Sorge des Papas ist aber, dass das Rehlein im Urlaub zu Laufen beginnt und er nicht dabei ist. Die Wetten stehen 1:1. Ich glaube nicht, aber wer weiß.
Die strenge Packordnung und die Tatsache, dass wir mit drei Erwachsenen und Kind in einem Kombi verreisen, erlaubte es uns zunächst nur sehr sparsam zu planen. Logisch, dass fürs Kind trotzdem die doppelte Klamottenschiene gefahren wird und die Mama gerade mal 2 Hosen und nen Pulli mitnehmen darf. Daher gab es Luftsprünge, als Freunde uns ihre Dachbox angeboten haben und ich nun für uns zwei Frauen jeweils eine große Reistasche packen konnte. Beide Taschen platzen jetzt schon aus allen Nähten. Komisch, dass man egal wie viel Platz man hat, immer am Limit ist. Kindertasche: Windeln - wir wollen unsere und haben die Schweizer Pampers? 2x Schlafsack - man weiß ja nie ob es zum nächtlichen Desaster kommt. 4 Paar Schuhe - shoppen, "wandern", gemütlich und Ersatz, Milch, Tee, Fressalien, Spielzeug, Kuschelhase, Erste Hilfetasche etc. Ein Segen, dass Reisebett und Hochstuhl schon da sind. Müssen also nur noch den Buggy mitnehmen. Bei den Wandertouren will der Opa das Rehlein in seiner Kraxe tragen und dank Nackenrolle kann sie darin auch gemütlich schlafen. Was ist das schön, wenn man noch so klein ist. Da haste immer einen, der sich um dich kümmert und für dich mitdenkt.
Jetzt kaufe ich heute Nachmittag doch tatsächlich noch das ♥ Brot des Rehleins, damit das erste Abendbrot in der Schweiz perfekt wird. Für mich persönlich muss nur der Strickkram mit, damit ich abends vor dem Kamin mit einem leckeren Glas Rotwein was zu tun habe *freu*! Also Daumendrücken, dass wir gut durchkommen und das Wetter dort genauso schön ist wie hier...oder schöööööner :-)