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Samstag, 13. September 2014

Erstes "echtes" Wochenende

Die erste Arbeitswoche liegt hinter mir. Tatsächlich ist es so, als wäre ich nie fort gewesen. Es gab einige gesetzliche und konzeptionelle Änderungen, doch der Alltag mit Kolleginnen, Eltern und Kinder  fühlt sich vertraut an. Es gab am ersten Freitag Pflaumenkuchen mit Sahne zum Einstand, womit ich allen eine Freude und den perfekten Einstieg fürs erste "echte" Wochenende gemacht habe.
Ja, ich habe wirklich Spaß! Ich komme morgens gut aus den Federn und auch sonst das Gefühl, alles  zu schaffen. Doch es gibt auch eine Kehrseite. Spätestens gegen 14:00 Uhr werden die Abstände, an denen ich an mein Rehlein denken muss, kürzer.  Wenn jemand weint, jammert oder wütend ist und ich dies vom Büro aus höre, legt sich der Mamaschalter um. Was ist da wohl los? Fühlt sich das Kind nicht wohl? Ist es überfordert? Vermisst es seine Mama? Um es ganz deutlich zu sagen, meine Muttergefühle beherrschen mich kurzzeitig. Bei 60 Kindern kommt es eben vor, dass Gefühlausbrüche die Bürotüre erreichen und zwangsläufig frage ich mich dann, wie es meinem Kind gerade geht. Es ist kein beklemmendes oder unangenehmes Gefühl. Es reißt mich nur kurzzeitig aus meiner Konzentration. Und wenn ich dann auf der Autobahn bin, in Richtung Oma fahre, freue ich mich riesig auf einen festen Drücker! Der Nachmittag ist verständlicherweise kurz und ich achte darauf nicht noch mehr Termine reinzuquetschen. Das Rehlein schlägt sich gut, doch natürlich ist ein ganzer Tag Kindergarten für ein kleines Kind von zwei Jahren sehr anstrengend. Meistens fällt zuhause der Stress von ihr ab. Wie ein Vorhang oder manchmal auch wie ein dicker Brocken. Dann knatscht sie, ohne dass ich den Grund dafür immer gleich parat habe und ihre Kooperationsfähigkeit schrumpft auf das Nötigste. Bis jetzt kommen wir damit gut zurrecht. Ich lasse den Haushalt liegen und wir lesen ein Buch oder kuscheln. Irgendwann möchte sie eh ihre Ruhe und verschwindet im Kinderzimmer.
Dann beobachte ich sie heimlich am Türrahmen minutenlang und versuche zu begreifen, wie die Zeit uns so überholen konnte. Vielleicht liegt es an dieser Wehmut, dass sich das Abendessen ab jetzt immer öfter in ein "kindgerechtes Spaßgericht" verwandelt. Habe ich etwa ein schlechtes Gewissen?


Ich denke, ich muss mich einfach daran gewöhnen, mein Kind Stück für Stück loszulassen. Ein Prozess, der ab jetzt erst wieder endet, wenn wir das Rehlein glücklich verheiratet wissen. Wie heißt es doch so schön? Man wächst mit seinen Aufgaben...Jetzt sitze ich hier in meiner Samstagsmorgenmüdigkeit und lausche den musikalischen Künsten, die sich in der Frühe noch nicht allzu melodisch anhören. Aber hey! Ich hab sie ganz nahe bei mir, keine Termine und jede Menge Kaffee. Es handelt sich im Übrigen um den Sandmännchensong, der sich mit ganz viel Konzentration und grenzenloser Liebe für mein Rehlein sogar annähernd danach anhört ;-)

Dienstag, 12. August 2014

Nur eine Mami

Ich habe mich richtig dolle auf`s Wochenende gefreut. Seit einer Woche gehen das Rehlein und ich nämlich morgens zur Eingewöhnung in den Kindergarten. Das ist toll und spannend, doch ich habe schon nach vier Tagen unsere Vormittagsrituale vermisst. Morgens habe ich es nicht an den Rechner geschafft, die gemeinsame Hunderunde musste bis mittags warten und es gab einfach nicht dieses Rumgeschlumpfe. Das bereitet uns schon mal etwas auf den harten Alltag vor, der bald beginnt.
Ich glaube, das letzte Mal habe ich mir so viele Gedanken gemacht, als die Geburt näherrückte. Ich kann vieles planen, doch am Ende muss ich mich einfach drauf einlassen und sehen was kommt. " Et kütt wie et kütt..." ist einfach nicht mein Lebensmotto, doch ich arbeite dran! Da mir gerade so viele Dinge im Kopf rumschwirren, habe ich auch nicht die Ruhe gefunden um zu schreiben. Dabei hat sich das Rehlein so sehr verändert! Es quasselt wie ein Wasserfall und hat ein wahres Elefantengedächnis. Es weiß auch, dass es bald Geburtstag hat und wünscht sich von der Mama einen großen Kuchen mit Streuseln und Sahne. Damit wäre das Kind zufrieden...doch ihr wisst ja wie die ersten Geburtstage laufen.
Bis jetzt klappt die Eingewöhnung ganz gut. Die Kita arbeitet nach dem Berliner Modell, welches wir auch in meiner Einrichtung anwenden. Kenn ich also. Dennoch, die Gefühle fahren Achterbahn. Das Rehlein hat heute z.B. geweint als ich gegangen bin, ließ sich aber von der Bezugserzieherin rasch beruhigen. Hat keine 20 Sek gedauert. Weiß ich, weil ich an der Ecke im Flur stand und alle meine Sinne aufs Hören konzentriert habe. Habe also nix gesehen, nix gerochen, nix gefühlt oder geschmeckt. Nur gehört, ob mein Kind sich beruhigt. Ich finde auch, sie könnte sich das herzzerreißende "Maaaaamiiiiiiii, meine Maaaammmmiiii" sparen! Leute, das macht mich fertig! Aber wie gesagt, sie spielt, lacht, kramt und hat dann auch Spaß. Fragt nicht nach mir, erobert eben jetzt eine Welt, in der ich nicht das Sagen habe. Und das ist auch gut so! Die Herzensfreundin vom Rehlein geht auch in ihre Gruppe. Das macht es für alle schöner! Für`s Rehlein und die Freundin, weil sie sich haben und das Sicherheit gibt und für mich und die Mama der Freundin, weil wir uns haben und geteiltes Leid ist eben halbes Leid. Es wartet sich eindeutig besser zu zweit. Morgen schauen wir wie das mit dem Mittagessen klappt. Für eine noch nicht ganz Zweijährige ist das am achten Tag super. Ich denke, dass alle Mamas und Papas auf der Welt, ob sie nun auf dem Flur warten oder gleich abdüsen, gerne Mäuschen spielen würden. Es fehlt der kurze Blick ins Kindergesicht, der einem sofort verrät. ob eben wirklich alles ok ist. Doch dies muss ich lernen auszuhalten. Mal sehen, wie ich morgen den Vormittag verbringe. Für dreieinhalb Stunden lohnt es sich schon nachhause zu fahren. Besser nicht in die Stadt...gehöre ich doch zu den sog. Stressshoppern, die gerne unnötige schöne Dinge kaufen, wenn sie nervös sind. Dreieinhalb Stunden freie Zeit...das muss ich, glaube ich, auch ersteinmal wieder lernen. Habe ich schon erwähnt, dass ich mich mittlerweile wirklich - und ich meine es wirklich ehrlich - wieder auf meine Arbeit freue? Nachdem ich das Rehlein so selbstständig und glücklich im Kindergarten sehe, beruhigen sich meine Gedanken. Ganz gespannt bin ich darauf mit einer neuen Rolle, nämlich die der Mutter, in meinem Job den Eltern zu begegnen. Ich habe an Autenzitität gewonnen und werde die Sorgen und Ängste der Eltern vielleicht intensiver oder einfach anders wahrnehmen.
Auf jeden Fall - und da möchte ich auch ehrlich sein - freue ich mich auf mein Gehalt! Welches ich natürlich sicher und vernünftig einsetzen werde *räusper*, nachdem ich mir neue Klamotten geshoppt habe!
Bis dahin bin ich einfach nur eine Mami, die im Flur der Kita sitzt und dank ihrer Muttergefühle, bei jedem Knatschen aus der Gruppe einen kleinen Herzinfakt bekommt.





Freitag, 7. Februar 2014

Löwenmutter

Natürlich bin ich eine Löwenmutter. So, wie alle anderen Mütter auch - immer bereit alles für ihr Kind zu geben, um es vor allen Gefahren und Ungerechtigkeiten des Lebens zu schützen. Nur musste ich bis jetzt das Rehlein nicht wirklich vor Ungerechtigkeiten beschützen. Mal da ein Spielzeug  weggenommen, mal dort grob zur Seite geschoben. Situationen, die ich entspannt beobachten und ggf begleiten konnte. Doch jetzt haben wir ein Kind getroffen, das...sagen wir mal, meine Löwenmutterinsstinke wachgerüttelt hat.
Es geschah in einem großen Babyfachgeschäft unserer Stadt. So ein Laden, in das man einfach gerne geht, weil man auch ohne festes Vorhaben totsicher mit irgendeinem Kram rausgeht, den das Kind nicht wirklich braucht. Wir wollten ein Töpfchen kaufen. Das war dem Rehlein natürlich wurscht. Es hatte schon am Eingang das coole Spielhäuschen entdeckt, welches durch seine elektrische Klingel schon Sekunden nach Betreten des Ladens ein wenig an meinen Nerven kratzte. Doch das Rehlein - zack- "darrrrreeeein" und es wurde nicht mehr gesehen. Es gibt Mütter und natürlich auch Väter, die das Häuschen nutzen, um ihren Einkauf entspannt ohne Kinder verbringen zu können. So wohl auch die Mutter dieses Mädchens, welches eine klitzekleine Herausvorderung darstellte. Zunächsteinmal schob sie sich direkt grob an dem Rehlein vorbei ins Häuschen, wobei sie es mit der Hand gegen die Türe drückte. Verdutztes Rehleingesicht gepaart vom Blick leichter Verunsicherung in meine Richtung. Oh eine Planierraupe denke ich und strecke dem Rehlein meine Hände entgegen. Da dreht sich die Planierraupe um und schubst das Rehlein erneut gegen die Tür.. "HEY"! platzt es auch mir herraus. "Nicht schubsen! Schau mal, sie ist doch viel kleiner als du und du hast genug Platz!" Das Mädchen, ich schätze sie auch 3 bis 4 Jahre zeigt sich unbeeindruckt und dreht sich weg.
 Jetzt muss ich das Rehlein auch nicht mehr bitten das Haus zu verlassen. Freiwillig zieht es mit mir in Richtung Rutsche. Ja...eine Rutsche haben die da auch. Das ist ja immer so eine Sache mit den Spielangeboten für Kinder in einem Laden für Erwachsene. Als wir da ankommen sitzt schon ein ca 9 bis 10 Monate alter Junge oben auf der Rutsche und ruft nach seiner Mama. Die Mama steht in der Autositzabteilung und ruft nur "ich komme gleich, rutsch du mal!" Sie lässt ihn tatsächlich 5 min da oben rufen bis sie kommt. Das ist jetzt nicht so meins - kann noch nicht laufen, hohe Rutsche, sitzt falschrum, andere Kinder, die auch rutschen wollen - und so. Aber hey, ich muss ja nicht die Welt retten und wahrscheinlich ist es ihr drittes Kind . Das Rehlein steht inzwischen vorne an der anderen Rutsche und versucht wie so oft den etwas anderen Weg hinauf. Ich will ihm gerade den richtigen Weg zeigen, da sehe ich im Augenwinkel die Planierraupe auf die Leiter hechten und mit Anlauf und ausgestreckten Beinen auf das Gesicht meines Kindes zurutschen. Gerade rechtzeitig bekomme ich die Unterschenkel des Mädchens zu fassen und schaue ihr fest in die Augen. Ganz ruhig schießt es mir durch den Kopf. Und so spreche ich zu ihr deutlich und leise " Hier sitzt ein Kind unten, du musst erst schauen, bevor du rutscht!" Sie quengelt und versucht sich aus meinem Griff zu befreien. Automatisch werfe ich einen suchenden Blick in den Raum. Keine Eltern da, die ihrem Kind das nochmal erklären könnten? Werde ich von jemanden beobachtet, der mich für rabiat hält? Keiner da, also schnappe ich mir das Rehlein und konzentriere mich auf den Töpfchenkauf. In Anbetracht des geschätzten Alters des Mädchens ging ich davon aus, dass sie bestimmte Verhaltensweisen bereits erlernt haben müsste. Weder das Schubsen noch die Rutschaktion ist versehentlich passiert. Vielleicht wollte sie einfach alleine im Häuschen sein oder wollte mal sehen was geschieht, wenn sie dem kleinen Kind vor ihr ins Gesicht rutscht. Auf jeden Fall machte sich ein Gefühl bei mir breit, welches ich den ganzen Tag nicht mehr los wurde. Das muss das Löwenmuttergefühl gewesen sein. Ich befürchte, dass es mich noch häufiger und heftiger erwischen wird und ich hoffe, dass ich ganz objektiv beurteilen kann, wenn meinem Rehlein mal wieder Gefahren und Ungerechtigkeiten geschehen. Ja nee, ist klar! Dieser Schutzinstikt aus der Steinzeit ist wohl eher für die grobe Gefühlswelt bestimmt und nicht für den sachlichen Austausch. Es ist gut dieses Gefühl zu kennen, doch es bringt nichts es zu unterdrücken. Da bin ich doch lieber ne schnaubende Löwenmutter, als ein schüchternes Kätzchen.

Freitag, 20. Dezember 2013

noch 8 Monate

Manchmal habe ich das Gefühl, ich lebe nur noch für die Zukunft. Was steht nächste Woche an? Wann wird das Rehlein 1 1/2 Monate alt? Jetzt Weihnachten, dann Ostern. Bald kommt das Rehlein in die Kita und ich muss wieder voll arbeiten. Ein Glück, dass ein Kind dich immer wieder in die Gegenwart schmießt und dich quasi zwingt sich im Hier und Jetzt zu bewegen. Heute morgen um 6:30 Uhr dachte ich noch, ich würde über eine erneut schwierige Phase bloggen, die mich in den letzten drei Tagen viele Nerven gekostet hat. Jetzt spielt das Kind schon seit 1 Stunde friedlich auf dem Sofa mit seinen kleinen Puppen. So lerne ich erneut, nicht an irgendwelchen Erwartungen festzuhalten, sondern sich einfach auf den Tag einzulassen. Ich habe also Zeit, hier zu schreiben, meinen Kaffee zu schlürfen und das Rehlein zu beobachten. Jeden Tag kommt nun ein neues Wort, ein neuer Zusammenhang. Schöne Momente voller Staunen und Verwunderung werden uns geschenkt. So macht es zum Beispiel bei allem, was es tut, so lustige Geräusche. Es kommentiert alles. Mit "Oh"!, "Hihi" oder "Wups" (Schwups) bringt es mich dazu meine Tätigkeiten zu unterbrechen und ihm zu folgen. Ein gutes Team sind wir geworden, verstehen uns oft auch ohne Worte. So erwische ich mich täglich dabei, wie meine Gedanken um die Sorge kreisen, im Sommer so vieles nicht mehr mitzubekommen. Das Kind loszulassen. Ich bruhige mich dann damit, dass es noch 8 Monate sind, bis wir diesen Schritt gehen. Doch bitte! Was sind 8 Monate? Genau die Hälfte vom bisherigen Leben des Rehleins.16 Monate ist es jetzt alt und und bringt uns dazu, jeden Abend vor dem Schlafengehen, nicht mehr "Gute Nacht", sondern "Heute war doch besonders süß, süßer als sonst!" zu sagen.
Wir freuen uns so sehr auf Weihnachten! Es ist erst ein richtiges Weihnachtsfest, wenn Kindergetrappel im Haus zu hören ist. Morgen kaufen wir einen Tannenbaum und ich werde die alte "Christmas - best of hits" rauskramen, um ihn am Abend traditionell mit einem sentimentalen Gefühl im Bauch zu schmücken.
Und wenn dann der Jahreswechsel kommt, mit unaufgeregtem Abend, gemütlich in Jogginghose vor dem Fenster hängend, nehme ich mir für 2014 vor, die nächsten acht Monate zu den Längsten in meinem Leben zu machen.

Samstag, 20. Juli 2013

Ausquartiert

Heute bin ich etwas aufgeregt. So, als wenn man in den Urlaub fährt. Ich bin heute abend auf der Party einer Freundin eingeladen. Das ist natürlich nicht der Grund der Aufregung! Heute schläft das Rehlein das erste Mal nicht in seinem Bett. Keine Sorge, es muss nicht ins Krankenhaus, wird auch sonst nicht gegen unseren Willen von uns getrennt. Das Rehlein schläft heute bei meinen Eltern. Der für mich persönlich zweitsicherste Ort der Welt für mein Kind. Meine Mutter hab ich, was meine Kindheit angeht, mehr als geeignet in Erinnerung. Sie ist sehr geduldig, gefühlvoll und als Mutter von drei Kindern, sowie Erzieherin mit sehr viel Erfahrung gesegnet. Das "Schlimmste" was passieren kann ist, dass sie das Rehlein nachts stundenlang rumträgt und wir hier zuhause etwas brauchen um es ihm wieder abzugewöhnen Und doch blutet mein Herz jetzt schon. Alle Mamas und Papas, die dies hinter sich haben, schmunzeln wohl in sich hinein und finden dies vielleicht ein wenig lächerlich, da sie die nächste kinderfreie Nacht kaum erwarten können. Mir egal. Ich finde es eben komisch von meinem Baby nachts getrennt zu sein. Habe ich doch Wochen gebraucht, um nach der Umquartierung vom Rehlein ins Kinderzimmer ruhig schlafen zu können. Ruhig schlafen werde ich wohl auch diese Nacht nicht so wirklich und ich fresse einen Besen, wenn es meine Mutter tut! Die behauptet natürlich völlig gelassen zu sein. Wahrscheinlich schläft das Kind durch.
Jetzt muss ich nur noch mein Gesicht in eine partytaugliche Erscheinung und das Paketchen zu meinem Eltern bringen. Blöd nur, dass ich mit dem Auto zur Party fahre und daher noch nicht einmal meine Vermissensgefühle mit Alkohol betäuben kann. Oder ist dies alles von meinem Unterbewusstsein geplant, um im Falle der Fälle direkt startklar zu sein?
Ich wünsche allen Eltern, ob heute kinderfrei oder nicht, einen schööönen Samstagabend!

Mittwoch, 24. April 2013

Mein kleines Wunder

Heute ist zum ersten mal passiert! Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Ganz plötzlich. Nach über einem Jahr zuhause, wünschte ich mir heute meinen Job zurück. Heute, anders als sonst, hatte ich schon morgens das Gefühl, nichts mit mir anfangen zu können. Die Nacht war erschreckend kurz. Ich fühlte mich als hätte ich bis morgens durchgetanzt. Und das spürte wohl auch das Rehlein, das mir beharrlich zeigte, dass es mit der schlechten Laune prima mithalten konnte. Sie aß schlecht, sie schlief schlecht und das Fieber der letzten Nacht hielt sich ebenfalls wacker. Ich sagte einen Termin ab, auf den ich mich gefreut hatte und stand nun vor einem leeren Nachmittag mit einem knatschigen Kind.Und da, während ich am Rechner sitze und kurz gedankenverlohren aus dem Fenster glotze (ich habe schon öfters erwähnt, wie gut das "ausdemFensterglotzen" tun kann), ist sie einfach auf mich gefallen. Diese Decke. Es war ein Gefühl der Langeweile. Ein "Ich muss doch hier raus" Gedanke. Für gewöhnlich fällt mir immer was Schönes ein. Doch heute schien ich wie gelämt. Aus irgendeinem Grund war alles doof. Wir gingen nicht raus, denn es fand sich nichts, dass mich motiviert hätte.Und so bekam ich schlicht und ergreifend schlechte Laune. 
Das zog sich den ganzen Tag hin und alle mussten unter mir leiden. Natürlich gab es auch vereinzelte schöne Momente. Schließlich habe ich ja das süßeste Kind der Welt. Doch dieses verhielt sich ähnlich wie seine Mutter, wahrscheinlich um sich einfach an die Gegebenheiten anzupassen. Sogar der Hund musste das ein oder andere völlig unnötige Leinenrucken über sich ergehen lassen und entschied sich so zum Dauerziehen, nur um nicht neben mir, der Spaßbremse laufen zu müssen.
Als nun endlich der Rehleinpapa von der Arbeit kam, verdoppelte sich das üble Karma, denn er hatte anscheinend einen ähnlich bescheidenen Tag hinter sich. Ich fieberte dem Feierabend entgegen, um mich von leichter Unterhaltung des Fernsehens berieseln und leise in den Schlaf labbern zu lassen. Doch wie das Leben nun mal so spielt, lief alles anders. Ich habe mich stets damit gebrüstet, wie schön doch das Rehlein abends ins Bett geht. Flasche, singen hinlegen, fertig! 
Heute nicht. Heute schien sie wütend und traurig zugleich zu sein. Sie weinte, schrie und kam auch nach mehreren "Hand auf den Bauch, Spieluhr an, Kuss und tschüss" nicht zur Ruhe. Als sich spürte, wie die schlechte Laune sich in Wut wandelte, beschloss ich eine Auszeit zu nehmen. Ich setzte mich auf den Balkon. Kurz die Augen schließen und durchatmen. "Bitte, bitte gib mir mehr Gelassenheit" murmelte ich. Gelassenheit, die ich mich durch alle Arten des Stresses sicher hindurchführt. Alles ist gut, ich bin ein glücklicher Mensch und schätze, dass man mich auch so wahrnimmt. Die Kleine darf auch mal einen schlechten Tag haben! Ich hörte das Kind, dass jetzt jammernd und schlurztend durch das Babyfon dröhnte. Wie war das noch mit dem Schreien lassen? Soll man doch nicht tun, weil die Kinder sich dann alleine und verlassen vorkommen...irgendwie kam ich mir auch alleine und verlassen vor. Mich durchströhmte eine Welle des schlechten Gewissens und so ging ich zu ihr, setze mich an das Bett und athmete tief in mich hinein.



 In der Stille des Kinderzimmers schaute sie mich durch die Stäbe des Bettes an, beruhigte sich sofort und als ob ich ihre Gedanken lesen könnte, wusste ich, dass sie einfach nur noch ein wenig Sicherheit brauchte. Sicherheit für dieses Tag, an dem ich mit schlechter Enrgie großzügig nur so um mich geschmissen hatte. Plötzlich war ich ganz ruhig und für einen Bruchteil einer Sekunde sah ich die Welt durch ihren Augen. Ich begriff, dass ich mich an diesem Abend noch nicht, wie sonst üblich, bedankt hatte. Noch nicht "danke" gesagt für dieses wunderschöne Leben! Noch nicht "danke" gesagt für dieses Geschenk da vor mir! Ich schämte mich für meinen Missmut und dafür, dass ich für das Wesentliche heute kein Auge hatte. Da streckte mir das Rehlein seine kleinen Hände durch das Bett. Ich ergriff sie sofort und es verschlug mir den Atem, wie wundervoll dieser Moment war. Aufmerkam beobachtete sie mich und ohne den geringsten Laut streichelte sie mehrere Minuten meine Hand. Ich bin mir sicher, dass das die Antwort auf meine Bitte nach Gelassenheit war. Mit der Gelassenheit kam die Dankbarkeit und ich konnte Teil dieses Momentes sein. Kurz darauf ließ sie mich los, aber folgte jede meiner Bewegungen mit ihren dunklen großen Augen.
Dann schlief mein Fuß ein und ich wollte natürlich auch nicht für den restlichen Abend hier im Dunkeln sitzen. So stand ich mit einer "Was tun wenns nicht klappt - Strategie" im Kopf, einfach auf und ging hinaus.
"Wenn das jetzt klappt, fress ich nen Besen!" sagte ich zur besseren Hälfte im Wohnzimmer. Bescheuertes Sprichwort und doch wieder gesagt!
Was soll ich sagen. Es hat geklappt sie war damit zufrieden. Damit, dass ich mit viel Gelassenheit den Abend beendet habe.
 Das Danken hilft, wenn man vergessen hat, wie es eigentlich geht, das Zufrieden sein. Das hier ist sehr persönlich und dennoch schreibe ich es, um vielleicht den ein oder anderen zum "danke" sagen zu animieren und um mich ewig an diesen Moment zu erinnern. An diesen Moment in dem ich mein kleines Wunder erlebte. Ganz unaufgeregt. In Jogginghose auf dem Fußboden vor dem Bett meiner Tochter.



Samstag, 23. März 2013

Die Zeit davor

Wenn ich abends im Bett liege, gehe ich gedanklich noch einmal den Tag durch. Was hab ich geschafft? Was muss ich noch erledigen? Und was ist morgen angesagt? Da kommt mir eine Frage in den Sinn. Wie war denn eigentlich die Zeit davor? Vor der Geburt vom Rehlein. Ich denke natürlich als erstes an meinen Job, den ich ja auch ein wenig vermisse. Ich bin um 5:45 aufgestanden und war schon um 7:00 im Automeeting mit meiner Chefin. Mittags erschlagender Müdigkeitsanfall, der aber täglich gekonnt ignoriert wurde, da man in einer Instutition wie unserer, schlecht Powernapping betreiben kann. Kinder, Eltern, Träger, Kollegen alle möchten umsorgt und betreut sein. So powerte ich jeden Tag bis 16:00 durch, um dann erneut im Automeeting auch noch die Fahrt nachhause sinnvoll zu nutzen. Dort angekommen, war erst der Hunde und dann der Haushalt dran. Der Rehleinpapa und ich freuten uns auf einen gemütlichen Abend mit lecker Essen und einem spannenden Film. Heute bin ich weit davon entfernt um 5:45 entdgültig aufzustehen. Und die Mettings halte ich mit meiner Tochter im halbdunklen Kinderzimmer. Wenn ich gegen 7:00 von ihr geweckt werde, bin ich zwar müde, aber höchst motiviert! Unser Tag ist ebenfalls strukturiert, doch es lassen sich viele Pausen einlegen, von denen ich damals nicht gewagt hätte zu träumen. Ich gebe zu, es gibt Schöneres, als im Regen mit Hund und Kinderwagen über die Felder zu spazieren, sich viermal täglich umzuziehen, um Essen, verdaut oder gerade frisch zubereitet, nicht länger auf der Kleidung tragen zu müssen und wenn das Rehlein schlecht drauf ist, fehlt auch mal die Zeit um einfach nur stupide aus dem Fenster zu glotzen. Das habe ich früher an ganz schlimmen Tagn im Büro betrieben und es kann wunderbar sein, glaubt mir! Damals erwischte ich mich selber manchmal dabei, wie ich mich im Trubel zwischen all den Anforderungen nach dem eigentlichen Sinn gefragt habe. Also, wen oder was würde es stören, wenn du hier nicht mehr arbeitest, einfach morgen nicht mehr kommst? Als ich meiner Chefin dann eines Morgens zwischen Papierbergen und dauerklingelndem Telefon, von meiner Schwangerschaft erzählte, wusste ich, dass es wohl doch jemanden stören würde. Und dennoch, der Laden läuft auch ohne mich. Abgesehen von jetzt gerade, denke ich verhältnismäßig selten an die Vergangeheit, an Damals. Das Leben mit Kind läßt einem kaum die Möglichkeit. In der wunderschönen Gegenwart, in der ich täglich so unzählig viele Momente erlebe, die für mich und unsere Familie so wichtig sind, wäre es einfach verschwendete Zeit sich damit rumzuschlagen. Wir, der Rehleinpappa und ich, hatten über 10 Jahre, in denen wir alles erleben durften, was man so erleben muss. Wochenenden, an denen der Morgen niemals aufhörte, nächtelange Partys und aufregende Urlaube. Nur für zwei gedacht. Wie langweilig und unvollständig uns dies alles einmal vorkommen würde, wer hätte das gedacht!

Ich liebe meinen neuen Job und habe mich noch nie so sinngebend und wichtig empfunden. Und auch wenn etwas Sorge und Angst dazugehört, der wichtigste Mensch für ein hilfloses Wesen zu sein, so erfüllt es mich doch mit Freude und Zufriedenheit. Die Zeit davor, war wie ein schönes praktisches Zuhause, das man nie verlässt und dadurch auch nichts von der Welt sieht. Wer oder Was auch immer dafür verantwortlich ist, dass unser Weg so verlaufen ist, ich danke dir!

Mittwoch, 6. März 2013

Ein Stückchen loslassen

Du meine allerliebste Wiege, geliehen von einer allerliebsten Freundin. Es ist mir, als wäre es gestern gewesen, als ich dich entstaubt, gesäubert und mit frischer Wäsche bestückt habe. Du warst ein Zeichen für die unbeschreibliche Vorfreude und standest schon Monate vor deinem eigentlichen Einsatzes bereit. Das Kinderzimmer, welches mein ganzer Stolz ist, wurde im Gegensatz zu dir, fast beiläufig bestaunt. "Nein, was für eine wunderschöne Wiege!" "Und so schön alt!" Männer klopften nickend auf dein Holz, Frauen schlugen verzückt die Hände vor`s Gesicht.
Jetzt hast du über sechs Monate das wertvollste in unserem Leben behütet und seitdem du nun ein paar Tage und Nächte leer im Schlafzimmer verbracht hast, wage ich den Schritt und schicke dich in deinen wohlverdienten Urlaub. Es ist verrückt, wie schwer es mir fällt! Ich sehe das Rehlein, fünf Tage nach dem Schlüpfen, wie es seelig in dir schlummert. Jetzt schlummert es in seinem "nächsten" Bett. In dem Bett, welches es wohl für ein paar Jahre behalten wird...bis es in die Schule geht. Ich besuche dich, wenn ich im Keller die Wäsche mache und schaue dann, ob es dir gut geht. Und wer weiß schon, wann ich dich wieder bei uns einziehen lasse? Mit frischer Wäsche und unbeschreiblicher Vorfreude!