Ich habe vor kurzem ein Seminar für Tageseltern gegeben. Dabei sind wir auf das Thema "Beißen" gekommen. Wir haben darüber gesprochen, wie man im Allgemeinen mit Aggressionen umgeht.
Später abends habe ich darüber nachgedacht und festgestellt, dass das Rehlein bis jetzt noch nie etwas wie Strafe erlebt hat. Wir konnten es immer anders lösen. Im schlimmsten Falle, hat das Rehlein erlebt, dass wir nicht jeden seiner Wünsche erfüllen, dass wir nicht alles wollen, was es will.Ok, das Rehlein beißt auch keine anderen Kinder, haut und schubst nicht...zumindestens konnte es seine Konflikte bis jetzt anders lösen.Wenn das eigene Kind betroffen ist, reagiert man eh emotional. Ich kann nur von meiner Arbeit berichten und da fühle ich natürlich auch sehr mit. Ich fühle die Schmerzen, wenn sich ein Kind das Knie aufschlägt, weil es geschubst wurde, ich bin auch mal wütend, wenn ein Kind bewusst ein anderes verletzt. Doch ich reagiere kontrolliert und jede meiner Handlungen und Worte geschehen bewusst. Marte Meo spielt in meinem Leben eine große Rolle und besonders in solchen Konfliktsituationen gibt mir diese Methode den nötigen roten Faden. Nehmen wir mal an der Paul haut der Lisa mit der Schüppe auf den Kopf. Ich beachte Lisa als Erstes. Damit schließe ich aus, dass Paul durch sein Verhalten Aufmerksamkeit bekommt. Ich mache einen Anschluss an Lisas Gefühl :" Oh je, das tut dir weh, jetzt weinst du! Du weinst, weil Paul die die Schüppe auf den Kopf gehauen hat." Dann hole ich Paul dazu. Ich gebe ihm die Möglichkeit sein Verhalten zu reflektieren. "Paul, schau die Lisa weint. Du hast sie mit der Schüppe gehauen, weil sie deinen Eimer wollte. Du kannst sagen, nein Lisa! Was können wir tun, um Lisa zu trösten?" Es ist toll, wenn Paul dann von alleine eine Idee hat (pusten, Taschentuch holen etc) falls nicht, helfe ich und schlage was vor. So kann auch er mit einem guten Gefühl aus der Sache raus und Lisa erfährt den nötigen Trost.
Ich kann schon verstehen, wenn Mütter, Väter und auch Pädagogen Kinder auf die Bank setzen, weil sie selber nicht weiter wissen. Es ist das Gefühl von Ohnmacht, dass uns solche Maßnahmen ergreifen lässt. Es bringt nur Nichts. Ich habe noch kein Kind erlebt, welches durchs Wegsetzen sein Verhalten ändert. Es fehlt dann an den wichtigen Informationen über die Gefühle des anderen. Am Ende bleibt das Gefühl "ich kriege es nicht hin, ich haue andere, ich genüge nicht aus, um hier mit anderen Spaß zu haben". Solche Kinder entwickeln schnell ein miserables Selbstbewusstsein. Keine gute Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung! Durch Marte Meo aber geht das Kind mit der Info aus der Situation, dass es helfen und trösten kann, dass man sich verzeihen kann.Und es lernt, welche Gefühle beim anderen durch sein Verhalten entstehen. So kann Paul beim nächsten mal sein Verhalten besser reflektieren.
Einige von euch finden dies unnatürlich. Es kommt euch vielleicht gestellt und unrealistisch vor.
Ich kann nur sagen, dass es dir den A.... rettet, wenn du mit mehreren Kindern alleine bist. Es rettet dich, wenn ein fremdes Kind dein eigenes haut, denn die anderen Eltern sehen, dass du kompetent damit umgehst und fühlen sich nicht als schlechte Mutter oder Vater (was sonst zwangsläufig geschieht, wenn keiner so richtig weiß, wie er mit der Situation umgehen soll. "Sowas macht man nicht etc", peinliches Schweigen, man geht sich aus dem Weg, schämt sich für sein Kind). Man hat nicht immer die nötige Zeit dies so kleinschrittig zu besprechen (obwohl sowas in der Regel nur ca 5 min dauert). Mal lässt der Entwicklungsstand des Kindes so ein Gespräch gar nicht zu. Und wenn es zum dritten Mal kurz hintereinander passiert, muss ich mit Paul besprechen, dass er etwas Anderes spielen soll oder rein gehen muss, weil er es im Moment nicht schafft ohne hauen.
Und doch geschieht dies alles mit Respekt. Wenn eines eurer Kinder also demnächst ein Anderes verletzt, kümmert euch erst um das "Opfer" und benennt die Gefühle beider Kinder. Glaubt mir, ihr fühlt euch danach tausendmal besser, als wenn ihr rumschreit und Strafen verhängt. Ich habe keine Angst vor Konflikten. Ich fand das Kind aus der Spielgruppe, welches es auf mein Rehlein abgesehen hatte zwar ziemlich blöd, aber der Gedanke, dass es anscheinend noch keine geeigneten Modelle entwickelt hatte, lies mich Mitleid und keinen Hass empfinden. Und vor allem tat mir die Mama leid, die voller Panik ihr Kind beobachtete und einfach nicht wusste, was sie tun soll. Ich habe ihr damals keine Hilfe angeboten, weil ich mich nicht aufdrängen wollte und weil ich dachte, sie fände das unverschämt. Doch heute mache ich es und finde auch meistens die passenden Worte.
Wenn das Glück bei dir zuhause wohnt, kann das Pech ruhig mal zum Kaffee kommen. Mein Leben mit Mann, Kind, Hund und Katz.
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Samstag, 21. März 2015
Dienstag, 23. September 2014
"Der Papa macht das!"
Liebe Leute, wir befinden uns in einer spannenden Phase. Das Rehlein löst sich von mir, erkundet tapfer seinen neuen Lebensraum Kita und genießt offensichtlich die Gegenwart der Kinder dort; auch weil es dort nicht nonstop unter Beobachtung steht. Zudem beginnen sekundäre Bezugspersonen, wie die beiden Omis an Bedeutung zu gewinnen. Die Trotzphase, oder wie ich sie lieber nenne, Selbstständigkeitsphase hat ihren Höhepunkt erreicht. Stellt euch folgende Situation vor. Ich bastel mit dem Rehlein gemütlich. Es klebt, malt und fummelt mit allmögliche Materialien herum. Ich sitze dabei, benenne nur ( sieh auch Marte Meo: http://frauchenfrieda.blogspot.de/2013/11/marte-meo-entschlusselt-die-botschaft.html) und alles ist gaaanz entspannt. Plötzlich hebt sich der Blick des Rehleins, es sperrt die Augen auf und kreischt energisch : " Ich mach das!" Ich bleibe cool. Toll, wenn sie Aufgaben alleine bewältigen möchte. Gut, wenn sie sich diesbezüglich ausdrücken kann. Machmal schwierig wird es, wenn mein Kind von seinem Gefühl der Ambivalenz überwältigt wird und nicht mit und nicht ohne die Mama durch eine Situation kann. Doch auch dies entspricht der normalen Entwicklung. Trotzdem bin ich hin und wieder überrascht, wie extrem sich das Rehlein um seine Selbstständigkeit bemüht. Nun gut. Jetzt haben wir ja die Trennung von mir im Kindergarten mehr als erfolgreich gemeistert. Großes Lob an dieser Stelle an die Traumerzieherinnen! Und somit hat mein Kind den ersten Schritt gemacht und muss sich ja auch für seine weitere Entwicklung immer mehr von unserer symbiotischen Beziehung lösen. Es erlebt, dass es auch ohne mich überleben kann, dass ich nicht vollkommen bin. Und hier kommt der Papa ins Spiel. Als wichtige Bezugsperson hatte er immer schon eine wichtige Stellung. Nun aber braucht das Rehlein ihn, um sich weiter von mir lösen zu können. Quasi wie einen Lotzen, der die Welt ohne Mama erfahrbar macht. Ich möchte Müttern, die das auch durchmachen beruhigen und werdene Mütter darauf vorbereiten. Mädels, macht euch nicht verrückt!Mein Rehlein lenht mich in bestimmten Situationen total ab. Schon wärend des Abendessens macht sie klar, dass der Papa gleich Zähneputzen, Umziehen und Vorlesen gestaltet. Manchmal darf ich sogar nicht gucken, wenn die zwei beschäftigt sind. "Der Papa macht das!" Wichtig ist hierbei, dass der Papa, ebenso wie die Mama nicht enttäuscht, wütend oder ähnliches reagiert. Damit würden wir dem Rehlein die Verantwortung für unsere Gefühle geben. z.B. "jetzt bin ich aber ein bischen traurig, dass du nicht zu mir möchtest.." Wir bleiben gelassen und akzeptieren das. Ich, die zweifelsohne beim Lesen gerne kuscheln würde, um die eigene Sehnsucht zu befriedigen und auch der Platzhirsch, der sich nach getaner Arbeit ein bischen Untersützung bei den Abendritualen wünscht. Ich bin deswegen ja nicht weniger wichtig. Im Gegenteil! Erlebt mein Kind die Akzeptanz seiner Gefühle durch mich, leiste ich einen wichtigen Beitrag zu seiner Entwicklung im Bereich Emotionswissen. Es lernt, dass es seinen Gefühlen vertrauen kann, dass es Gefühle aussprechen und ausleben darf. Natürlich geht das mit dem "der Papa macht das" nicht immer. Dann mache ich es und wir beide zeigen uns einig.
Wir sind gespannt, was sich das Rehlein noch alles einfallen lässt, um unsere Elternkompetenz zu prüfen.
Habt oder hattet ihr auch "Nur der Papa - Phasen"? Her damit, denn geteiltes Leid..ihr wisst schon.
Wir sind gespannt, was sich das Rehlein noch alles einfallen lässt, um unsere Elternkompetenz zu prüfen.
Habt oder hattet ihr auch "Nur der Papa - Phasen"? Her damit, denn geteiltes Leid..ihr wisst schon.
Dienstag, 19. November 2013
Marte Meo - entschlüsselt die Botschaft eurer Kinder!
Heute möchte ich über etwas schreiben, dass meine Arbeit mit Kindern und Eltern, sowie meine eigene Entwicklung grundlegend verbessert hat. Meine Chefin, mittlerweile darf ich sie auch eine Freundin nennen, erzählte mir während der Arbeit von einer Methode, die mit einfachsten Mitteln Kinder in ihrer Entwicklung unterstützt. Sie habe dabei schon Erstaunliches erlebt und könne sich vorstellen, dass dies auch für mich etwas wäre. Sie sprach von der Marte Meo Methode. Da sie selber die Ausbildung zur Supervisiorin machen wollte, war sie auf der Suche nach Interessenten für die Marte Meo Therapeutenausbildung. Sie wollte mich also ausbilden. Das erschien mir als eine praktische Sache. Schließlich arbeitete ich täglich mit Kindern, Eltern und Kolleginnen und hatte sie als "Mentorin" ständig um mich. Sie beschrieb die wichtigsten Elemente und da mir alles so logisch erschien, wollte ich das Erlernte direkt ausprobieren. Ein 6 jähriger Junge, Diagnose: Emotionale Entwicklungsverzögerung, sollte mich zum Beginn einer wundervollen Reise führen. Der Junge fiel unter anderem damit auf, dass er kaum Augenkontakt hielt und bei der kleinesten Anforderung dicht machte. Ich setzte mich zu ihm an den Maltisch und wartete. Ich wartete darauf, dass er irgendeine Initiative zeigte. Als er sich ein Blatt zum Malen nahm, benannte ich seine Handlung :" Oh, du nimmst dir ein Blatt!" Er begann zu malen und wenn man ganz aufmerksam war, konnte man erkennen, dass er mit gesenktem Kopf immer mal wieder zu meinen Händen schaute. Er nahm also Kontakt auf, auch wenn dies nur sehr "leise" geschah". Ich benannte 30 min lang jede seiner Handlungen : " Jetzt malst du einen Punkt...oh ganz viele Punkt, Punkt, Punkt und jetzt einen Kreis." das Benennen der Handlungen ist ein wesentlicher Teil von Marte Meo. Zum Ende dieses Treffens sah er mich einmal an. Direkt in die Augen. Er wollte Bestätigung, dass ich weiter passend zu seinen Taten etwas sagte. Dies war der Moment, indem der Funkte übersprang und ich wusste: Das will ich machen, ich will Marte Meo Therapeutin werden. Natürlich gehört mehr dazu, als nur zu reden. Man analysiert das Verhalten der Kinder, erstellt Entwicklungsdiagnosen, wertet Filme aus und bespricht diese mit Eltern oder auch Fachpersonal. Doch das Entscheidene für mich, war die Erkenntnis, wie man Kontakt zu jedem Kind bekommt, egal ob man sich kennt oder völlig fremd ist. Ich kann nur sagen, dass ich mir einige Tage und zahlreiche Übungsversuche später, wie der Rattenfänger von Hameln vorkam, da ich überall in der Kita einen Schwall von Kinder hinter mir herrennen hatte.
Jetzt liegt der Abschluss meiner Prüfung schon über ein Jahr zurück und ich habe begonnen unterschiedliche Kurse, Elternabende und Spielgruppen zu leiten. Eine tolle Möglichkeit in der Elternzeit im Thema zu bleiben und etwas dazuzuverdienen. Am liebsten würde ich Halbtages in meinen Job zurückkehren und nach Bedarf mit Marte Meo arbeiten. Doch sieht unser Finanzplan bis jetzt nicht vor.
Es ist nicht so einfach, Marte Meo ohne die passenden Bilder zu erklären. Am Besten geht dies mit Videoaufnahmen von alltäglichen Situationen mit Kind und Eltern. Doch es war mir ein Bedürfnis hier davon zu berichten, denn dies spielt auch in der Erziehung zum Rehlein eine wichtige Rolle. Auch der Platzhirsch wendet es täglich an. Ganz ohne Ausbildung :-) Ich denke also, dass auch Eltern mit gut entwickelten Kindern davon provitieren können. Sich selber auf einem Film mit seinem Kind zu erleben und zu erkennen, wie man jedes Verhalten positiv unterstützen oder eben auch verändern kann, ist für alle Mamas und Papas ein spannedes Erlebnis. Zudem hat man immer einen roten Faden und weiss sich auch in schwierigen Situationen zu helfen. Wer mehr Fragen dazu oder grundsätzliches Interesse daran haben sollte, kann meiner Facebookgruppe beitreten. Hier gibt es ständig neue Infos, Raum für Fragen und viele Beispiele, die klar machen, worum es geht. Also traut euch und entschlüsselt die Botschaft eurer Kinder!!!
PS: Hier seht ihr mein eigenes Logo :-) *stolz*
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