Sonntag, 16. März 2014

Rallalla

Einer der Dinge, die sich der Platzhirsch und ich bereits vor der Geburt des Rehleins vorgenommen hatten, war zum Beispiel, den Fernsehkonsum so gering wie möglich zu halten. Das lässt sich auch ohne Weiteres durchführen, da tagsüber eh nix Vernünftiges läuft und ich es hasse, wenn die Kiste "beiläufig" in Betrieb ist. Wir wollten auch nicht, dass das Rehlein seinen Vater immer nur am Rechner erlebt. Zumindestens hatte ICH diesen Wunsch eindrücklich geäußert. Ist nur ein bischen schwierig, wenn der Papa im Homeoffice arbeitet und sich sein Arbeitsplatz im Wohnzimmer befindet. Glücklicherweise beherrscht er die Fähigkeit des Ausblendens perfekt, stört sich nicht an uns und macht sich selber quasi unsichtbar. Das Rehlein zeigte bislang kein großes Interesse für den PC. Dann kam diese wirklich anstrengende Phase und jedes Angebot wurde wütend und knatschig für blöd befunden. Da hatte ich die glohrreiche Idee, das Lieblingslied des Rehleins bei Youtube zu suchen und fand auch gleich viele Angebote, von ziemlich dämlich, bis irgendwie merkwürdig. Doch dann klickte ich plötzlich auf eine Version, die geradezu entzückend war. Die Vogelhochzeit lief liebevoll animiert ohne viel Tamtam vor unseren Augen ab und wir beide waren hin und weg. Sowas musste direkt 3 mal hintereinander geschaut werden. Das Rehlein gluckste dabei vergnügt und zeigte immer wieder aufgeregt auf den Bildschirm. Am nächsten Morgen, kam sie zu mir gerannt, streckte die Arme hoch und rief :" Arm...Rallalla!" Also "Rallalla" geguckt und zusammen gefreut. 
Ob es auch den kleinen Maulwurf gibt? Oder die kleine Raupe Nimmersatt? Ja, es gibt sie, die schönen unaufgeregten Filmchen, die max 5 min dauern und genau den im Buch geschriebenen Text wiedergeben. Also haben wir nun drei Favoriten, die hin und wieder zum Einsatz kommen, wenn ich z.B. mal den Tisch decken möchte, ohne Kind am Bein. Doch nur, wenn der Platzhirsch da ist und mit dem Rehlein zusammen schauen kann.
Ich habe mich auch stets bemüht, nicht ständig Fotos mit meinem Smartphone zu machen, um nicht allzu viel Interesse des Rehleins am Handy zu wecken. Dieser Versuch war natürlich für`n A....! Unbeobachtet kann ich sie zwar knipsen oder Filmen, aber wenn ich entdeckt werden, hab ich augenblicklich einen kleinen Zwerg auf dem Schoß, der unbedingt und sofort, alles neu Entstandene sehen möchte.
Wir haben uns dazu entschieden, das Rehlein auch in der Zukunft nicht vor irgendwelche Sndungen zu setzten, sondern ausgewählte Videos zu nutzen, um im "Notfall" die Laune zu heben. Und das auch nicht täglich. Im Grunde muss es natürlich jeder selber wissen, ab wann und wieviel Medienkonsum man seinem Kind "antut". Ich persönlich hatte erst mit vier Jahren die Möglichkeit zuhause. Es gab da damals einmal die Woche "Die Sendung mit der Maus" in Schwarz-Weiß. Der Platzhirsch schaute mit vier Jahren zum ersten Mal Star Wars (Eps. 6) und es ist trotzdem ein intelligenter Mann draus geworden. Aber was das angeht, haben wir schon geklärt: Star Wars gibbet definitiv nicht mit vier Jahren fürs Rehlein! Nein auch nicht, wenn es da kein Blut und eine klare "Gut - Böse Darstellung" gibt. Der Platzhirsch ist ein Nerd, der in der Gamesbranche arbeitet. Medien werden also immer einen besonderen Stellenwert bei uns haben. Doch hier gilt Qalität statt Quantität! Entscheidend ist, wie sieht das Entertainmentprogramm ohne Medien aus? Doch Kinder brauchen Zeit. Zeit für sich. Zeit für Langeweile, um aus sich selber heraus eine Idee entwickeln zu können. Ich beginne manchmal ein Freispiel mit dem Rehlein und ziehe mich dann nach einiger Zeit zurück. Ich beschäftige mich alleine mit Haushalt oder Ähnlichem und wenn das Rehlein mit mir zusammen spielen möchte, habe ich auch meistens Zeit dafür. Und wenn es eben mal nicht geht, wird das erklärt. Die Akzeptanz dafür ist logischerweise in dem Alter von 1 1/2 Jahren noch recht gering. Und trotzdem lernt es, sich immer schneller zu regulieren. So klebte es eben noch an meinem Bein und wollte nix alleine machen, jetzt sitzt es mit einem großen Wimmelbuch alleine auf der Cauch.
Ich suche schon länger auf ebay nach meine  liebsten Kinderfilmen und Serien, wie "Kinder aus Büllerbü", "Ronja Räubertochter" und "Es war einmal das Leben" und kann es nicht erwarten diese mit meinem Kind im Kuscheldress auf dem Bett zu gucken. Doch das hat noch Zeit. Bis dahin haben die großen Leute hier zuhause eben häufiger mal den "Rallalla - Ohrwurm".

























Montag, 3. März 2014

Kontrollverlust

Seit fünf Tagen habe ich einen fanatischen Superfan-Stalker hier zuhause.
Nach einem 24 Stunden Fieber ging es los. Plötzlich verwandelte sich mein liebstes Rehlein in einen kleinen Wutzwerg, der wenn er nicht gerade wütend ist, bitterlich knatscht. Dabei heult das Rehlein in herzzerreißenden Tönen. Gerne auch ganz leise und hoch. So, als würde es für eine dramatische Szene im Theater üben. Außerdem klebt es an mir und fordert dies ständig - und ich meine ständig - von mir ein:
R: "Arm"!
Ich: " Ich kann dich jetzt nicht auf den Arm nehmen, weil ich gerade koche/putze/etwas anderes trage/ auf dem Klo sitze"!
R: "Schoß"!
Ich: " Nein, auf den Schoß geht jetzt auch nicht"!
Dann wird kräftig geweint. Und dabei zeigt sich eine erstaunliche Beharrlichkeit, die meistens dazu führt, dass ich - naja ihr wisst schon- meine Tätigkeit unterbreche.
Zunächst schob ich es auf die Zähne. Ist ja auch so einfach, um sich keine weiteren Sorgen machen zu müssen. Doch genauer betrachtet, glaube ich, dass mein Kind beginnt zu verstehen, dass wir beide nicht ein und die selbe Person sind. Das löst bestimmt eine Menge Stress aus, wenn man verzweifelt versucht die Kontrolle über die Mama zu behalten. Da erscheint mir die "Arm- Schoß" Strategie sinnvoll. Leider kann der Rehleinpapa nicht wirklich helfen, da das Kind einfach nicht zu ihm will. Es will schon, doch nur, wenn ich auch dabei bin. Wenn wir im Supermarkt eine Freundin treffen, muss das Rehlein plötzlich anfangen zu weinen. Und ich habe nur wunderschöne und nette Freundinnen. Egal, nicht die Mama - blöd!
Auch beim Essen scheint das Kind völlig von seiner eigenen Ambivalenz überfordert zu sein.
Ich: " Möchtest du Ei?" (Totales ♥ Essen)
R: " Ja!......NEIN..(schrei, heul)...Jaaaaaaa, haben"!
Ja, ich weiß. Ich bin mit einem wundervollen und normalerweise sehr anpassungsfähigen und flexiblen Kind gesegnet. Da haben andere Eltern nicht erst mit 18 Monaten das Gefühl bekommen, sie leben mit einem Kampfgnom. Ich bin wirklich selber schuld, dass ich andere Mütter, auf ihr Nachfragen hin, von unserer heilen Ponyhofatmosphäre erzählt habe. Zu denen muss ich jetzt nicht ankommen um mein Leid zu klagen. Ähhh, ja es sind erst fünf Tage und trotzdem kommt es mir vor wie eine Ewigkeit. Welche Erlösung bringt mir da der Einblick in diverse Fachliteratur, dessen Inhalt ich ja eigentlich aus beruflichen Gründen praktisch auswendig wissen müsste. Habe ich nicht selber den Mamas lächelnd über den Rücken gestrichen und geseuselt: " Sie wissen ja, mit anderthalb entdeckt ihr Kind, dass es nicht die totale Macht über sie und ihre Gefühle hat." Gesichtsausdruck der Mütter immer so: Hat es nicht?
Und jetzt ertappe ich mich, wie ich nervös wegschleiche vom Puppenspiel, um nur einen Kaffe wenigstens halb austrinken zu können, ohne spitze Kinderknochen auf dem Oberschenkel (wie machen die das nur, dass die ihr Gewicht immer so ausbalanchieren, dass...?)
Die Foren im Internet lassen vermuten, dass diese Phase sogar Monate dauern kann. Bestimmt gehts bei uns schneller! *Universumswunsch* und wenn man bedenkt, welche Kriese Kinder in dem Alter durchleben, muss man für einen fanatischen Superfan - Stalker noch dankbar sein. Habe ja schließlich selber auch gerne alles unter Kontrolle, ich alter Steinbock.


Freitag, 14. Februar 2014

18 Monate Rehlein

Der letzte Entwicklungsreport ist nun ein halbes Jahr her und wenn ich so daran zurückdenke, muss ich ein wenig schmunzeln. Denn jetzt mit deinen 1 1/2 Jahren stellst du unsere Welt ganz schön auf den Kopf mein liebes Kind! Ich habe das Gefühl, deine Synapsen explodieren ununterbrochen und jeden Morgen bin ich gespannt, was du mir Neues  von dir zeigst.
Du bist jetzt 83cm groß und 11,5 Kilo schwer. Deine Haare kann ich nur noch mit mehreren Haarspangen bändigen, die dir immer wieder rausrutschen, da deine Haare so glatt sind. Du läufst seit November letzten Jahres und bisher sind wir mit einem Paar Schuhe in der Größe 22 ausgekommen. Noch lässt du dich ganz gerne im Kinderwagen oder Buggy rumschieben. Getragenwerden passt dir dagegen weniger, was du mit "LAUFEN!" im Befehlston alle wissen lässt.
Du quasselst in einer Tour und lernst täglich neu dazu. Vor ein paar Tagen wollte ich es genau wissen und kam auf ca 200 Worte. Am liebsten zählst du alle Familienmitglieder inkl. Partner und Haustiere auf. Du liebst deine Schleichtiere und Bären ("Bearfamily" aus den 80ern, die ich dir vermacht habe) und immer öfter spielst du damit "Mama, Papa, M...."). Bücher kannst du stundenlang verschlingen, wobei du dir selber etwas erzählst und in dich hineinkicherst. Sachen von A nach B tragen ist, wie bei allen Kindern deines Alters groß im Kurs und so bin ich nach wie vor von deiner ungeheuerlichen Kramtechnik beeindruckt. Operation "Schlachtfeld verursachen" beherrscht du perfekt. Siehst du andere Kinder ("Kinner") wirst du ganz euphotisch, hast du sie auch nur auf einer Reklametafel entdeckt. Du hast einen besten Freund, der auch ständig in deinen Erzählungen auftaucht. Er ist in deinem Leben verwurzelt und so ist es natürlich klar, dass in fast jedem deiner Bücher auch einer zu finden ist. Blonder Junge = L....
Du übernimmst Redensarten von uns oder kommentierst Situationen mit Sprüchen, die uns verdeutlichen, wie vorsichtig man jetzt mit Äußerrungen sein muss. Wenn wir mal lauter miteinander sprechen oder streiten, bringt uns dein "mann, mann" wieder auf den Boden der Tatsachen. Wenn ich mich ärger, sag ich das halt und so hälst du mir den Spiegel vor.
Alle Abläufe zuhause hast du verinnerlicht und hällst daran fest. Ich brauche quasi gar nicht mehr selber denken, sagst du mir doch, was ich als nächstes tun soll. Du kennst blau, lila, rot und grün und "zählst" gerne, wobei dein kleiner Zeigefinger auf Dinge tippt, du immerfort "eins, eins, eins" sagst und zustimmend nickst.
Nach wie vor schläfst du durch und lässt dich mittags wie abends problemlos hinlegen *Yeah*.
Du isst alles, mal mehr mal weniger und hast mich gestern das erst mal wissen lassen, dass du keinen Reis, sondern Nudeln haben möchtest. Gerne trinkst du alleine aus dem Becher. Doch wenn es mal mit dem Löffel nicht so klappt, gibst du ihn gerne mit einem bestimmenden "Mama!" an mich ab.
Du bist nun endlich auch zu einem "Kuschelkind" geworden, das mich drückt und küsst und gerne bei mir auf dem Arm ist. So verbringst du die ein oder andere Spielgruppe damit auf meinem Schoß rumzuhampeln, dann aufzuspringen und dich nach wenigen Minuten  wieder auf mich zu werfen, als wäre ich ein Sitzsack oder Klettergerüst.
Du bleibst gerne bei deinen Omas und mein Papa scheint besonders wichtig zu sein. So hast du bis heute nicht vergessen, dass er dir mal mit nackten Füßen die Türe geöffnet hat. Bei jedem Besuch siehst du also erstenmal nach, ob er Socken an hat. Als du in der Puppenkiste ein kleinen blau kariertes Hemd gefunden hast, kamst du mit freudestrahlenden Augen und "Opa, Opa" rufend zu mir gelaufen. Hat halt nur der Opa an, solche Hemden.
Bei all den Dingen die du kannst, ist es doch deine Persönlichkeit, die mich jeden Tag aufs neue fasziniert. Ich schaue mir viele Filme an, die wir, Gott sei dank, so zahlreich von dir gemacht haben. Hätte ich sie nicht, wären so viele Momente einfach fort. Wie du ganz frisch in meinem Arm liegst, meist schlafend und noch so unberührt von dieser Welt. Jetzt bist du bereits geprägt. Geprägt von unseren Werten, unseren Vorstellungen wie man miteinander umgeht und das Leben gestaltet. Ich bedanke mich jeden Tag dafür, dass du ohne Angst, Hunger und Not aufwachsen kannst und Freude und Liebe deine Welt beherrschen. Ganz deutlich wird, dass nicht nur wir dich, sondern auch du uns prägst und uns Dinge zeigst, die in Vergessenheit geraten sind. Ich würde mit dir bis an mein Lebensende einen Käfer im Gras beobachten und den Mond hinter den Wolken suchen und hätte nichts verpasst. Ich sehe mich in dir, wenn du in die Ferne schaust und die Stirn kräuselst und wünsche mir so sehr, dass du eines Tages auch dieses Wunder erlebst! Ich gebe ALLES, damit du so sein kannst, wie du bist.
Du bist mein Glückskind, meine Herzensheilerin, Wundertüte, Zaubermaus.


Freitag, 7. Februar 2014

Löwenmutter

Natürlich bin ich eine Löwenmutter. So, wie alle anderen Mütter auch - immer bereit alles für ihr Kind zu geben, um es vor allen Gefahren und Ungerechtigkeiten des Lebens zu schützen. Nur musste ich bis jetzt das Rehlein nicht wirklich vor Ungerechtigkeiten beschützen. Mal da ein Spielzeug  weggenommen, mal dort grob zur Seite geschoben. Situationen, die ich entspannt beobachten und ggf begleiten konnte. Doch jetzt haben wir ein Kind getroffen, das...sagen wir mal, meine Löwenmutterinsstinke wachgerüttelt hat.
Es geschah in einem großen Babyfachgeschäft unserer Stadt. So ein Laden, in das man einfach gerne geht, weil man auch ohne festes Vorhaben totsicher mit irgendeinem Kram rausgeht, den das Kind nicht wirklich braucht. Wir wollten ein Töpfchen kaufen. Das war dem Rehlein natürlich wurscht. Es hatte schon am Eingang das coole Spielhäuschen entdeckt, welches durch seine elektrische Klingel schon Sekunden nach Betreten des Ladens ein wenig an meinen Nerven kratzte. Doch das Rehlein - zack- "darrrrreeeein" und es wurde nicht mehr gesehen. Es gibt Mütter und natürlich auch Väter, die das Häuschen nutzen, um ihren Einkauf entspannt ohne Kinder verbringen zu können. So wohl auch die Mutter dieses Mädchens, welches eine klitzekleine Herausvorderung darstellte. Zunächsteinmal schob sie sich direkt grob an dem Rehlein vorbei ins Häuschen, wobei sie es mit der Hand gegen die Türe drückte. Verdutztes Rehleingesicht gepaart vom Blick leichter Verunsicherung in meine Richtung. Oh eine Planierraupe denke ich und strecke dem Rehlein meine Hände entgegen. Da dreht sich die Planierraupe um und schubst das Rehlein erneut gegen die Tür.. "HEY"! platzt es auch mir herraus. "Nicht schubsen! Schau mal, sie ist doch viel kleiner als du und du hast genug Platz!" Das Mädchen, ich schätze sie auch 3 bis 4 Jahre zeigt sich unbeeindruckt und dreht sich weg.
 Jetzt muss ich das Rehlein auch nicht mehr bitten das Haus zu verlassen. Freiwillig zieht es mit mir in Richtung Rutsche. Ja...eine Rutsche haben die da auch. Das ist ja immer so eine Sache mit den Spielangeboten für Kinder in einem Laden für Erwachsene. Als wir da ankommen sitzt schon ein ca 9 bis 10 Monate alter Junge oben auf der Rutsche und ruft nach seiner Mama. Die Mama steht in der Autositzabteilung und ruft nur "ich komme gleich, rutsch du mal!" Sie lässt ihn tatsächlich 5 min da oben rufen bis sie kommt. Das ist jetzt nicht so meins - kann noch nicht laufen, hohe Rutsche, sitzt falschrum, andere Kinder, die auch rutschen wollen - und so. Aber hey, ich muss ja nicht die Welt retten und wahrscheinlich ist es ihr drittes Kind . Das Rehlein steht inzwischen vorne an der anderen Rutsche und versucht wie so oft den etwas anderen Weg hinauf. Ich will ihm gerade den richtigen Weg zeigen, da sehe ich im Augenwinkel die Planierraupe auf die Leiter hechten und mit Anlauf und ausgestreckten Beinen auf das Gesicht meines Kindes zurutschen. Gerade rechtzeitig bekomme ich die Unterschenkel des Mädchens zu fassen und schaue ihr fest in die Augen. Ganz ruhig schießt es mir durch den Kopf. Und so spreche ich zu ihr deutlich und leise " Hier sitzt ein Kind unten, du musst erst schauen, bevor du rutscht!" Sie quengelt und versucht sich aus meinem Griff zu befreien. Automatisch werfe ich einen suchenden Blick in den Raum. Keine Eltern da, die ihrem Kind das nochmal erklären könnten? Werde ich von jemanden beobachtet, der mich für rabiat hält? Keiner da, also schnappe ich mir das Rehlein und konzentriere mich auf den Töpfchenkauf. In Anbetracht des geschätzten Alters des Mädchens ging ich davon aus, dass sie bestimmte Verhaltensweisen bereits erlernt haben müsste. Weder das Schubsen noch die Rutschaktion ist versehentlich passiert. Vielleicht wollte sie einfach alleine im Häuschen sein oder wollte mal sehen was geschieht, wenn sie dem kleinen Kind vor ihr ins Gesicht rutscht. Auf jeden Fall machte sich ein Gefühl bei mir breit, welches ich den ganzen Tag nicht mehr los wurde. Das muss das Löwenmuttergefühl gewesen sein. Ich befürchte, dass es mich noch häufiger und heftiger erwischen wird und ich hoffe, dass ich ganz objektiv beurteilen kann, wenn meinem Rehlein mal wieder Gefahren und Ungerechtigkeiten geschehen. Ja nee, ist klar! Dieser Schutzinstikt aus der Steinzeit ist wohl eher für die grobe Gefühlswelt bestimmt und nicht für den sachlichen Austausch. Es ist gut dieses Gefühl zu kennen, doch es bringt nichts es zu unterdrücken. Da bin ich doch lieber ne schnaubende Löwenmutter, als ein schüchternes Kätzchen.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Kita - Panik

Nur so viel sei gesagt: Wir haben einen Kitaplatz! Und ich schicke täglich 1000 Dankesgebete los. Denn ich hatte nicht erwartet, dass dies so einen emensen Druck auf die Mütter ausüben könnte! Durch meinen Job weiß ich natürlich, wie die Eltern bangen, immer wieder in der Kita anrufen um sich in Erinnerung zu bringen und was am Tag nach den Zusagen immer los war. Trotzdem war ich erschüttert, als ich am Montag in unsere Spielgruppe kam und erst einmal eine Mama trösten musste, die vor lauter Verzweiflung die Tränen nicht zurückhalten konnte. Sie hatte so auf einen Platz in der katholischen Einrichtung gehofft. Beide haben in der Gemeinde geheiratet, beide sind katholisch und das Kind wurde dort getauft. Trotzdem keine Chance...in diesem Jahr. Eine andere Mutter schimpfte über die Leitung, da ihr moslemisches Kind noch nicht einmal auf der Warteliste war. Eine Mutter erzählte zu Beginn ganz frei raus, dass sie drei Zusagen hätte und wurde daraufhin die ganze Spielgruppenzeit mit kritischen Blicken gestraft. Die kids spielten derweil wie immer ausgelassen und ahnten nichts von den Rivalitäten. Ist es nicht verrückt, dass ich mich jetzt bei den Treffen mit den anderen Muttis eher zurückhalte, weil ich einen der beliebten Plätze in einer eben auch beliebten Kita bekommen habe? Wenn ich mir vorstelle, ich müsste das Rehlein in eine Kita geben, von der ich selber nicht viel halte - schrecklich!
Alle Eltern, gehen wir mal davon aus, wollen das Beste für ihre Kinder und wollen sie daher auch dort unterbringen, wo sie selber ein gutes Bauchgefühl haben. Und die Kita? Die muss auch die Plätze so vergeben, dass eine gute pädagoische Arbeit möglich ist. Es gibt sog. Aufnahmekriterien, die mit unter vom Träger, Elternbeirat oder anderen Gremien aufgestellt werden. Alter und Geschlecht des Kindes, soziale Notlagen der Eltern, Berufstätigkeit und andere Dinge bestimmen so über die Platzvergabe. Und dennoch scheinen sich die Mütter selbst angegriffen zu fühlen.
Es geht halt ums Liebste - da ist Schluss mit lustig. Puhhhhh! Ganz schön hitzig die Stimmung der letzten Tage. Jetzt drücke ich noch die Daumen für ein paar Herzensfreundinnen, die leider noch nicht "versorgt" sind und stelle mich schon mal seelisch darauf ein, im nächsten Jahr wieder selber die zu sein, die den Eltern die gute oder schlechte Nachricht überbringen darf. The same procedure as every year - Kita - Panik...

Freitag, 24. Januar 2014

"miau"

Jetzt sind wir nur noch drei. Vor einer Woche mussten wir schweren Herzens den Kater einschläfern lassen. Plötzlich, scheinbar über Nacht ging es ihm so schlecht, dass wir gar nicht richtig realisieren konnten was geschieht. Am Tag vor der Spritze lag der Kater abends bei mir auf den Beinen und sah mich ganz feste an. Zuvor hing er eine Nacht in der Tierklinik an der Infusion. Am Wochenende. 300 Euro für Blutuntersuchung und Ultraschall. Nun dachte ich, er würde es schaffen, denn zuhause angekommen fraß und trank er wieder. Und dennoch hatte er diesen Blick in den Augen, der mir ein ungutes Gefühl gab. Das Rehlein ließen wir zu ihm als er in seiner Katerbox saß. Das Rehlein war ganz aufgeregt. Was macht der "Miau" nur in der Kiste?! Die kleinen Finger in die Löcher gesteckt, versuchte es mit ihm Kontakt aufzunehmen. Der Hund spürte so oder so dass etwas nicht stimmte. Einmal wurde dem Kater durch Gesicht geleckt, dann wendete sich der Hund mit geducktem Kopf wieder ab.
Im Sprechzimmer der Tierarztpraxis angekommen, war ich es dann auf einmal, die die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Mir war klar, dass wir ihn nicht mehr mit nachhause nehmen würden. Das Rehlein war bei der Oma, da musste ich auf niemanden Rücksicht nehmen. Verständnisvolle Blicke der anderen Frauchchen und Herrchen wechslten sich ab.
Es ging alles sehr schnell. Jetzt liegt er bei uns im Garten. Nein, ein 1 Meter tiefen Loch buddelst du nicht mal so eben. Vor allem nicht, wennn es am Beetrand neben sämtlichen Sträuchern und Bäumen entstehen soll. Viele Wurzeln später fand er dann endlich seinen Platz. Der Kratzbaum steht im Keller, die verbliebenen Spielzeuge und Leckerlies stehen schon zur Weitergabe bereit und ich wundere mich immernoch jeden Tag darüber, wieviele Haare der Kater täglich verloren haben muss. Es müssen Tonnen gewesen sein! Auf jeden Fall sind sie jetzt alle weg. Genau wie das Getrippel auf den Dielen. Kein Begrüßungsmaunzen am Morgen, kein "ich will sofort da rein" Gekratze an der Tür. Ich möchte keine Katze mehr. Nicht jetzt und auch nicht später. Das muss ich so hart sagen, weil sich sonst der Platzhirsch sofort eine Lücke zur Diskussion sucht. Er würde wohl sofort wieder Katzen rückfällig werden. Sein Name war Franky, benannt nach Frank Sinatra.
Er hat Spuren hinterlassen der "Miau". Jede Heimfahrt im Auto werde ich durchs Rehlein an ihn erinnert.
R: "hause!"
ich: "ja, wir fahren nach hause"
R: "Papa!"
ich: "ja, der Papa ist zuhause"
R: "Rieda!"
ich: "genau, die Frieda ist auch zuhause"
R: "Miau!"
ich: "ja......der Miau ist jetzt im Garten...."
Stille. Und jedes mal kommt ein paar Sekunden später noch ein leises "miau" von der Rückbank.

Dienstag, 14. Januar 2014

Ich will Magic!

Heute möchte ich euch von einem Erlebnis berichten, welches mich dazu gebracht hat, mir mehr Magic in meinem, aber vor allem, im Leben meines Kindes zu wünschen.
Vor drei Jahren erzählte mir meine Kollegin in der Kita von einem Projekt zu Weihnachten. Es ging um ein fiktives Wesen, welches die Kinder in vier Stuhlkreisen auf das Weihnachtsfest hin begleiten sollte. "Bella Wolke" sollte sie heißen und ganz ohne konfessionelle Richtlinien auskommen. Sie gibt den Kindern kleine Aufgaben, wie Plätzchenbacken und Baumschmuck basteln und soll im Wesentlichen die geheimnisvolle Zeit und das Gefühl von Begeisterung und Spannung widerspiegeln. "Das ist Magic, weißt du?" sagte sie und ich wusste was sie meinte.
Sofort formte sich ein Bild von Bella in meinem Kopf; wie sie im weißen Glitzerkleid mit einer lieblichen Stimme und fröhlichen Geschichten die Kinder verzaubern könnte.
Da es Keiner machen wollte und ich eh schon immer gerne schauspielerte, stellte ich mich zur Verfügung. So konnte ich Bella so darstellen, wie ich wollte und würde die staunende Aufmerksamkeit der Kinder genießen. Jeder, der es schon einmal erlebt hat, weiß, wie wundervoll es ist, wenn ihn von Vorfreude glänzende Kinderaugen anschauen und sie bereit sind, dir stundenlang zu folgen, vorausgesetzt deine Show ist es wert.
So begannen die Vorbereitungen. Ich schrieb Briefe mit Glitzer im Umschlag, in denen Bella den Kindern von ihrem Besuch erzählte. Die Eltern wurden ebenfalls neugierig und fragten sich wohl, was das mit Weihnachten zutun haben könnte.
Als der große Tag dann kam, hatten wir alles, wirklich alles rausgeholt, was der Verkleidungsfundus so hergab. Das Hochzeitskleid meiner Mutter, Federboa, Barrokperrükke und pinke Fakewimpern, Geschmeide, Seidenhandschuhe und ein Kinderarztkoffer, der mit Hilfe von Watte zum Wolkenkoffer umfunktioniert wurde, machten das Outfit perfekt.
Ihr müsst euch das so vorstellen: Abgedunkelter Flur, alle Kinder sitzen im Kreis und schauen gespannt zum königlichen Stuhl, der extra für Bella dekoriert wurde. Wir hatten so einen Spaß bei den Vorbereitungen, da wollten wir auch nicht auf die Nebelmaschine verzichten, welche die Reise aus den Wolken noch autentischer machen sollte.
Also Knopf gedrückt und mit einem leisen Zischen hüllt sich der Eingangsbereich der Kita in weißen Nebel. Ooooohhhh, aaaahhhhhhhh :-)
Alle Kinder rufen nach Bella. Ich derweilen im Büro, startklar, muss durch das Bürofenster kraxeln, um dann vorne durch die Eingangstür zu schreiten. In meinen Hochzeitsschuhen und im damals eingeschneiten Velbert gar nicht so einfach. Ich hoffe so sehr, dass mir diese Erinnerung ewig bleibt. Wie sie staunen, die Hände vor den Mund schlagen, schüchtern lächeln, dir jedes Wort glauben und ungeduldig auf dem Boden rumrutschen, weil auch sie dir etwas sagen möchten. Nach 20 min war alles vorbei. Ich wieder raus, ins Büro geklettert, abgeschminkt. Ich hatte mein Gesicht noch nicht ganz vom Glitzer befreit, als ich lachende Kindertsimmern hörte, die im Flur anscheinend etwas tolles gefunden hatten. Ein Blick aus der Türe erlaubte mir zu erleben, wie zwei Mädchen und ein Junge mit ihren Händen über den Flurboden wischten, um den dort gesammelten Glitzerstaub in ihren Hosentaschen verschwinden zu lassen. "Da! Da ist noch Bellas Zauberstaub!" rief der Junge und sie verloren sich dabei die Handinnenflächen zu bestaunen und sich zu überlegen, was man sich nun damit verzaubern oder wünschen könnte.
Das meine Lieben ist die Magic. Vorstellungskraft, Fantasie und Wünsche vereint mit einem warmen Gefühl im Bauch.
So ungefähr so die "Bella - Post" aus
Als ich mich im letzten Stuhlkreis von den Kindern verabschiedete, ahnte ich nicht, was ein Satz für Auswirkungen haben würde :" und Kinder, wenn ihr mal eine Wolke am Himmel seht...wer weiß, vielleicht bin ich es, die da oben auf meiner Wolke einen Ausflug macht!"
Noch Monate später im Frühling schauten immer mal wieder Kinder zum Himmel, zeigten auf die Wolken und waren sich 100% sicher, Bella entdeckt zu haben. Eltern erzählten, dass Bellas Foto, welches alle Kinder bekommen hatten, immer noch über dem Bett hänge. So eine Nachhaltigkeit hatten wir nicht ewartet. Im nächsten Jahr war ich schon in Elternzeit und man versuchte ein anderes Weihnachtsprojekt. Als mich letztes Jahr meine Kollegin fragte, war mir sofort klar, dass die Kinder mal wieder ein wenig Magic gebrauchen könnten. Und so verbrachte das Rehlein in der Vorweihnachtszeit etwas mehr Zeit mit Oma und ich fuhr im Dezember öfters nach Velbert.
Das Leben ist mit Magic einfach besser! Würden wir uns mehr in die kindliche Welt begeben, öfters ihren Ideen nachgehen und dies mit Leichtigkeit und Naivität, hätten wir mehr Spaß. Und da ich zu einem absoluten "Magic im Alltag"  Fan geworden bin, komme ich täglich in den Genuss. Auch wenn das bedeutet, wegen den Tauben in der Fußgängerzone einen Termin zu verpassen oder vom Fenster aus den Mond zu beobachten und gemeinsam zu verarbeiten, dass man da jetzt eben nicht "drauf" kann.
Ich danke meiner lieben Kollegin dafür, dass ich nun den Begriff "Magic" immer in Verbindung mit Kindern sehe. Es beinhaltet soviel und doch ist es mit so einfachen Mitteln zu erzeugen. Wenn ich im August zurück in den Job gehe, schlage ich mal bunte Hasenköttel (natürlich gebastelt) für die Osterzeit vor. Wäre es nicht voll Magic, wenn die Kinder die auf der Wiese finden?