Dienstag, 2. September 2014

Nur noch einmal schlafen

Der letzte Abend als Mutter in Elternzeit. Und wisst ihr was? Es fühlt sich gut an. Hätte ich noch vor einem Monat gar nicht gedacht. Zu groß waren die Sorgen, ob die Organisation mit der Rehleinkita, der eigenen Kita und dem Platzhirsch hier zuhause klappt. Nun habe ich den Alltag einer vollzeitarbeitenden Mama noch gar nicht erlebt und trotzdem weiß ich, dass alles klappen wird. Wir haben alle drei gut mitgearbeitet, damit wir entspannt in den neuen Lebensabschnitt starten können. Der Platzhirsch und ich haben die morgentliche Routine neu eingespielt und er bringt das Rehlein seit zwei Tagen alleine zur Kita. In dem neuen "Flitzeauto", das anscheinend so viel cooler ist als das alte Auto. Heute gab es Geschrei, weil ich das Rehlein eben mit dem alten Auto abgeholt habe. Das alte Auto ist übrigens 3 Jahre alt und gerade abbezahlt, noch sehr schön inkl.bequemem Kindersitz. Allerdings ist jetzt das Auto vom Papa angesagter und natürlich ist auch der Kindersitz darin besser, schöner, toller! Kommt mir ganz recht. Auch, dass der Platzhirsch immer wichtiger für das Rehlein wird. Eben durfte ich nicht mittanzen.Eine kurze Geste mit der Hand "Die Mama...nicht! Lieber in die Küche!"
Da fällt dir dann nichts mehr ein. Ich habe generell das Gefühl, dass es dem Rehlein gut tut ein bischen Abstand von mir zu bekommen. Hört sich vielleicht hart an, entspricht aber einer gesunden Entwicklung. Seitdem es den Kindergarten besucht, ist es wesentlich entspannter, wenn sich unbekannte Personen nähern. Hin und wieder flirtet man auch an der Supermarktkasse. Nur drei Wochen zuvor, schien es eine schwere Körperverletzung zu sein, das Rehlein auch nur anzuschauen. Abgesehen vom Sprachschatz, der sich rasant entwickelt, zeigen sich immer mehr neu erworbene Spiel-  und Handlungsmodelle.
Sicher wird es nicht immer einfach sein. Ich sehe mein Rehlein jetzt 21 Stunden nicht. Morgens kann ich es nicht zur Verabschiedung wecken, weil ich so früh los muss. Und dann  bin ich eben erst gegen 16:45 Uhr zuhause. Wir sind in der glücklichen Lage zwei wundervolle Omas zu haben, von denen eine nicht berufstätig und die andere im Kindergarten des Rehleins ist. Also viel Zeit für unsere kleine Maus! Zudem vertraue ich beiden total. Auch das Vertrauen in meinem Mann (und dies war vorher natürlich auch schon da) ist gewaltig gewachsen. So konnte ich die letzten Tage erleben, wie es auch wunderbar ohne mich morgens klappt. Auch das "Abgeben" im Kindergarten geht super. Er hat ja auch noch nie das Vertrauen vom Rehlein missbraucht, war immer verfügbar und eine stabile Größe in ihrem Leben.
Ich bin ganz schön stolz auf meine beiden Wichtigmenschen! Die sind ein gutes Team. Wir sind ein super gutes Team. Unsere kleine Familie ist in den zwei Jahren mit Kind zu einer Oase der Sicherheit geworden, ohne die ich mir ein Leben nicht verstellen kann. Ich freue mich auf alle weiteren Stationen und bin besonders gespannt, wie ich meine beiden Jobs und Rollen unter einen Hut bekomme...
Challenge accepted!

(Mama, ich übersetze: Herausforderung angenommen!)  ;-)

Sonntag, 17. August 2014

2 Jahre Rehlein

Mein kleines Rehlein. In Superultraschallgeschwindigkeit bist du 2 Jahre alt geworden. Nachdem ich das erste Jahr noch begreifen konnte, stellt sich mein Verstand, bei dem Versuch das zweite zu erfassen, einfach quer. Wie konnte das so schnell passieren?!
Du bist heute zwei Jahre und drei Tage alt. 93 cm groß und 11,8 kg schwer. Du hast Schuhgröße 25/26 und ich kaufe nix mehr unter 98/104 Kleidergröße.
Wenn du rennst, bleibt mir immer noch ab und zu das Herz stehen, so wackelig erscheint mir dein Flitzemodus. Doch nur selten geht was schief. Klettern, rennen, balancieren und springen klappt alles super
Dein Wotschatz erweitert sich täglich und gerade jetzt, nach zwei Wochen Kindergarten, sind wir immer wieder platt, was für Redewendungen du verwendest.
Aktuelle Favoriten:
"Das darf doch nicht wahr sein!"
"Alter Schwede!"
"Ach du meine Güte!"
Grundsätzlich kannst, möchstest und weißt du alles, was Mama und Papa können, möchten und wissen.
Der große Trotzanfall lässt noch auf sich warten und bis jetzt zeigst du eine große Kooperationsbereitschaft.
Du gehst aufs große Klo, aber bis jetzt nur als Trockenübung. Schlafen und Essen...ganz ehrlich? Völlig unkompliziert. Da haben wir wohl einfach Glück gehabt! Du isst und trinkst selbstständig. Die Flasche abends habe ich vor ca zwei Monaten einfach weggelassen. Stattdessen abends noch einen Schluck Wasser aus dem coolen pinken Becher. Dies hat irgendwie gereicht, um dich zu überzeugen. Ja, auch hier einfach Glück gehabt ;-) Viel spannender ist es aber, wie sich dein Character entwickelt. Du singst oder summst sehr viel. Ich kann die, dir bekannten Melodien gut erkennen. Bücher sind nach wie vor wichtig für dich. So ließt du dir oder deiner Puppe regelmäßig etwas vor. Zuhören lohnt sich immer, denn das ist zuckersüß und zum Totlachen! Du hast die ersten Freundschaften geschlossen, die durch regelmäßige Kontakte wirklich von großer Bedeutung für dich sind. Ich sehe dies daran, dass du mit deinen Freunden am Spielhandy telefonierst, Geschichten über sie erfindest oder auch beim Gute Nachgebet an sie denkst. Du gehst für eine Zweijährige recht sorgsam mit deinen Spielsachen um. Spielst ganze Einkaufsscenarien nach und fährst gefühlte 100 mal am Tag mit deiner Puppe in den Urlaub. Bei all dem Spielzeug, das du angesammelt hast, spielst du im Moment doch am liebsten mit dem Papa "Eismaschine". Dabei setzt ihr euch vor die Heizung und du schraubst an dem Temperaturregler rum. Der ist Waschbecken und Maschine zusammen. Immer wieder geht die Eismaschine kaputt, damit der Papa sie reparieren kann. Er macht dabei spannende Reperaturgeräusche und du himmelst ihn an und bekommst gar nicht genug von diesem Spiel. Du verwendest im Spiel unterschiedliche Stimmlagen und schlüpfst schon in verschiedene Rollen. Wir konnten dir einen großen Fundus an Spielfähigkeiten mitgeben, die dich im Kindergarten sicher zu einer beliebten Spielpartnerin machen. Überhaupt beschäftigst du dich gerne alleine, kramst in deinen Sachen rum und quasselst non stop vor dich hin. Du hast viel Sinn für Humor und ich wiederhole die Gags nur zu gerne für dich immer und immer wieder, nur um deine Quitschelache zu hören.
Du magst es nicht, wenn dir fremde Leute in die Augen schauen. Ist dir irgendwie zu nah, denke ich. Doch nach einer kleinen Weile wirst du mutiger und begegnest allen offen und freundlich. Leider kommst du selten kuscheln, doch damit komme ich zurecht. Wir haben viele kleine Rituale, mit denen wir uns unsere Zuneigung zeigen. So wird sich abends vor dem Schlafengehen immer noch einmal gedrückt. Alle drei mit umschlungenden Armen. Dabei klopfst du uns mit einem weisen Gesichtsausdruck liebevoll auf die Schultern.
Mein Kind, mein Herz ist bis zum Rand gefüllt mit Liebe für dich. In manchen Momenten läuft es über und dann tut es ein wenig weh. So bist du mir am Freitag das erste Mal in die Arme gelaufen, als ich dich aus der Kita abgeholt habe. Dafür hattest du vorher wahrscheinlich keine Kopf. Dabei hast du laut gelacht und wir haben kurz alles um uns herum vergessen. Ich lerne gerade dich loszulassen...ein kleines Stück. Wenn ich sehe, wie du selbstständig die Welt eroberst und dir deine Freiräume erkämpfst, platze ich vor Stolz! Jeden Tag aufs neue glaube ich, dich nicht noch mehr lieben zu können, bis du mich im nächsten Moment eines besseren belehrst.
Mein Rehlein, meine Zaubermaus, mein Wunder, meine große Tochter. Ich wünsche dir und uns als Familie, dass du dich so entwickeln kannst, wie es deiner kleinen Seele am besten gefällt!

Dienstag, 12. August 2014

Nur eine Mami

Ich habe mich richtig dolle auf`s Wochenende gefreut. Seit einer Woche gehen das Rehlein und ich nämlich morgens zur Eingewöhnung in den Kindergarten. Das ist toll und spannend, doch ich habe schon nach vier Tagen unsere Vormittagsrituale vermisst. Morgens habe ich es nicht an den Rechner geschafft, die gemeinsame Hunderunde musste bis mittags warten und es gab einfach nicht dieses Rumgeschlumpfe. Das bereitet uns schon mal etwas auf den harten Alltag vor, der bald beginnt.
Ich glaube, das letzte Mal habe ich mir so viele Gedanken gemacht, als die Geburt näherrückte. Ich kann vieles planen, doch am Ende muss ich mich einfach drauf einlassen und sehen was kommt. " Et kütt wie et kütt..." ist einfach nicht mein Lebensmotto, doch ich arbeite dran! Da mir gerade so viele Dinge im Kopf rumschwirren, habe ich auch nicht die Ruhe gefunden um zu schreiben. Dabei hat sich das Rehlein so sehr verändert! Es quasselt wie ein Wasserfall und hat ein wahres Elefantengedächnis. Es weiß auch, dass es bald Geburtstag hat und wünscht sich von der Mama einen großen Kuchen mit Streuseln und Sahne. Damit wäre das Kind zufrieden...doch ihr wisst ja wie die ersten Geburtstage laufen.
Bis jetzt klappt die Eingewöhnung ganz gut. Die Kita arbeitet nach dem Berliner Modell, welches wir auch in meiner Einrichtung anwenden. Kenn ich also. Dennoch, die Gefühle fahren Achterbahn. Das Rehlein hat heute z.B. geweint als ich gegangen bin, ließ sich aber von der Bezugserzieherin rasch beruhigen. Hat keine 20 Sek gedauert. Weiß ich, weil ich an der Ecke im Flur stand und alle meine Sinne aufs Hören konzentriert habe. Habe also nix gesehen, nix gerochen, nix gefühlt oder geschmeckt. Nur gehört, ob mein Kind sich beruhigt. Ich finde auch, sie könnte sich das herzzerreißende "Maaaaamiiiiiiii, meine Maaaammmmiiii" sparen! Leute, das macht mich fertig! Aber wie gesagt, sie spielt, lacht, kramt und hat dann auch Spaß. Fragt nicht nach mir, erobert eben jetzt eine Welt, in der ich nicht das Sagen habe. Und das ist auch gut so! Die Herzensfreundin vom Rehlein geht auch in ihre Gruppe. Das macht es für alle schöner! Für`s Rehlein und die Freundin, weil sie sich haben und das Sicherheit gibt und für mich und die Mama der Freundin, weil wir uns haben und geteiltes Leid ist eben halbes Leid. Es wartet sich eindeutig besser zu zweit. Morgen schauen wir wie das mit dem Mittagessen klappt. Für eine noch nicht ganz Zweijährige ist das am achten Tag super. Ich denke, dass alle Mamas und Papas auf der Welt, ob sie nun auf dem Flur warten oder gleich abdüsen, gerne Mäuschen spielen würden. Es fehlt der kurze Blick ins Kindergesicht, der einem sofort verrät. ob eben wirklich alles ok ist. Doch dies muss ich lernen auszuhalten. Mal sehen, wie ich morgen den Vormittag verbringe. Für dreieinhalb Stunden lohnt es sich schon nachhause zu fahren. Besser nicht in die Stadt...gehöre ich doch zu den sog. Stressshoppern, die gerne unnötige schöne Dinge kaufen, wenn sie nervös sind. Dreieinhalb Stunden freie Zeit...das muss ich, glaube ich, auch ersteinmal wieder lernen. Habe ich schon erwähnt, dass ich mich mittlerweile wirklich - und ich meine es wirklich ehrlich - wieder auf meine Arbeit freue? Nachdem ich das Rehlein so selbstständig und glücklich im Kindergarten sehe, beruhigen sich meine Gedanken. Ganz gespannt bin ich darauf mit einer neuen Rolle, nämlich die der Mutter, in meinem Job den Eltern zu begegnen. Ich habe an Autenzitität gewonnen und werde die Sorgen und Ängste der Eltern vielleicht intensiver oder einfach anders wahrnehmen.
Auf jeden Fall - und da möchte ich auch ehrlich sein - freue ich mich auf mein Gehalt! Welches ich natürlich sicher und vernünftig einsetzen werde *räusper*, nachdem ich mir neue Klamotten geshoppt habe!
Bis dahin bin ich einfach nur eine Mami, die im Flur der Kita sitzt und dank ihrer Muttergefühle, bei jedem Knatschen aus der Gruppe einen kleinen Herzinfakt bekommt.





Mittwoch, 7. Mai 2014

10 Cent

Jetzt muss ich Euch doch noch schnell vom gestrigen Abend berichten. Ich wickel das Rehlein auf der Wickelkommode. Plötzlich würgt dieses und ich sehe, wie sich ein 10 Cent Stück im Rachen des Rehleins befindet. Zack - umgedreht und kräftig auf den Rücken geklopft. Leider ohne Erfolgt. Nach drei Sekunden Würgen, die sich für mich wie Stunden angefühlt haben, atmet das Rehlein wieder normal und sagt im fröhlichen Ton : "Oh, Geld schluckt!"
Herrje, ich habe mich so sehr erschrocken! Wie zur Hölle kommt die an das Geld? Sie muss es in der Hand gehabt haben und dann ist es wohl ausversehen in ihren Mund gefallen...von oben eben als sie auf dem Rücken lag. Auf jeden Fall ist es jetzt im Rehlein. Mein erstes Gefühl war relativ entspannt. Hört man doch ständig von Kindern, die irgendwas verschlucken. Doch der Platzhirsch hat mich wahnsinnig gemacht! Ich wurde von ihm echt zusammengestaucht, wie denn das Geld da rumliegen kann usw. Ich habe dann verschiedene Leute angerufen, bis mir eine Kinderärtzin im Krankenhaus die Ruhe wiedergab. Da das Rehlein nicht gehustet hatte und auch keine Anziechen von Schmerzen zeigte, solle ich einfach den Windelinhalt die nächsten drei Tage checken und hoffen, dass es bis dahin wieder draußen ist. Obwohl ich mir ja denken konnte, dass das heute morgen noch nicht der Fall sein konnte, habe ich trotzdem das morgentliche Ergebnis gecheckt und ganz ehrlich...das ist wirklich nicht so schön. Mein Kind zu wickeln war noch nie unangenehm. Und alle Eltern kennen die unglaublichen Stinkbomben gerade in einer Krankheitsphase, doch darin rumzustockern ist nochmal ne andere Nummer. Jetzt futtert das Rehlein getrocknete Aprikosen und Äpfel und ich hoffe soooo sehr, dass sich das von alleine erledigt und wir nichts weiter unternehmen müssen. Schließlich kann sich eine Münze auch iregndwo in eine Falte legen und dann müsste sie operativ entfernt werden. Also bitte Daumendrücken! Jetzt warte ich noch auf den Rückruf des Kinderarztes, von dem ich mir auch nochmal die "Wartevorgehensweise" bestätigen lassen möchte. Dank Google weiß ich jetzt auch wirklich alle Fakten zum Thema und beobachte mein Kind auf Schritt und Tritt. Irgentwie bescheuert, als würde das Centstück plötzlich aus ihrem Mund fallen! Als ich meine Mutter und deren Freundin angerufen habe, haben mich übrigens beide unabhängig voneinander gefragt, ob ich denn nie Michel aus Lönneberger geschaut habe. Der hat wohl auch so einiges verschluckt. Ich möchte aber auch nicht erleben, wie mein Rehlein mit dem Kopf in einer Suppenschüssel steckenbleibt! Mannomann, da machste was mit!

♥ Holland ♥

Der erste Urlaub mit der ganzen Familie, liegt nun schon vier Tage zurück und wir werden wohl noch eine ganze Weile davon zehren! Es war wirklich eine rundum gelungene Aktion, obwohl ja alles etwas turbulent angefangen hatte. So eröffnete mir meine Mutter drei Tage vor der Reise, dass es ein Missverständnis bei der Buchung gab und wir den Hund nicht mitnehmen können. Das brachte uns ganz schön aus der Bahn, sah ich uns doch schon seit Wochen vor meinen inneren Auge mit dem Hund am Strand lang laufen. Zum Glück fanden wir eine geeignete Unterbringung und zum Glück haben wir es vorher und nicht erst vor Ort in Holland erfahren. Vielleicht war es auch ganz gut so, denn es wimmelte dort vor Hunden. Am Spielplatz, im Restaurant, am Strand, einfach püberall! Schön, wenn man einen aufgeschlossenen und entspannten Hund hat. Eher schlecht, wenn man unseren Hund hat. Trotzdem steht fest, dass er das nächste Mal mitkommt und es wird auf jeden Fall ein nächstes Mal geben, denn:


  • die Fahr war pippifax - drei Stunden
  • die Anlage ist ein Traum, alles sehr gepflegt
  • das Häuschen war auch super - mit Sauna, vier Schlafzimmern und Garten
  • der Strand 3 min Fußweg
  • ach...der Strand
  • weltbeste Pommesbude an der Ecke
  • Shoppingbedürfnis hätte bei voller Urlaubskasse voll befriedigt werden können
  • auch mit mehreren Personen, findet sich für jeden etwas
Wir waren dort schon mehrmals, doch noch nie mit so vielen Leuten. Diesmal eben mit dem Rehlein, Opi und Omi, meinen Brüdern und deren besseren Hälften. Wir haben bis in die Nacht geredet und gelacht, alte Videos geguckt und uns dabei doch noch ein bischen besser kennengelernt. Natürlich hieß so eine groeß Familienbande für das Rehlein nonstop Bespaßung. Für mich bedeutete dies zum Beispiel in Ruhe duschen und saunen und minutenlang aufs Meer gucken, weil so viele Andere ein Auge auf das Kind werfen konnten und wollten. Erst war ich etwas verwundert, dass wirklich alle relativ früh aufgestanden sind. Ok, die Häuser dort sich auch mehr als hellhörig und wenn Kinder wach sind, sind sie eben nicht leise. Doch ich glaube, dass es einfach alle genossen haben, das Rehlein beim Spielen zu beobachten, sich dazuzusetzen und selber ein bischen Kind zu sein. Das Rehlein spielte stundenlang im Sand, sammelte Muscheln und war einfach nur zufrieden. Die gute Seeluft sorgte für reichling Hunger und ruhige Nächte, die auch nicht allzu früh endeten. Im Gegensatz zum letzten Uralub in der Schweiz, war unsere Maus wirklich unkompliziert. Der Rehleinpapa und ich haben uns in die Ecke von Holland verliebt und planen schon den nächsten Urlaub, denn eins ist uns schon lange klar: ein Urlaub ohne Kinder mag entspannt sein. Doch in Kinderaugen zu sehen, die das erste mal den riesigen Sandkasten sehen, ist unbezahlbar! Bis dahin werden die gesammelten Muscheln großzügig an Freunde und Freundinnen verschenkt und wenn wir gemeinsam die Fotos anschauen, kann sich das Rehlein an die kleinsten Details erinnern und möchte die Geschichte vom Urlaub immer und immer wieder hören.
Es ist also auch eine Überlegung wert, mal öfters im Jahr für ein langes Wochenende dorthin zu verschwinden um wieder aufzutanken. Ich habe jedesfalls jetzt schon wieder Sehnsucht und brauche kein exotisches Lieblingsurlaubsziel, wenn ich mir in drei Stunden die Sonne ins Gesicht scheinen lassen kann, während mich das Meer schon alleine mit seinem Anblick entspannt!




Dienstag, 29. April 2014

von Frau zu Frau

Da gab es mal so eine Doku aus Schweden. Darin war eine Mutter zu sehen, die sehr enttäuscht darüber war, dass ihre 4 jährige Tochter in der Klamottenabteilung eines großen Kaufhauses automatisch zu den pinken Sachen rannte. Diese Mutter hatte ihre Tochter in einer Kita, in der man weder "sie" noch "er" sagt, untergebracht. Dort wolle man den Kindern einfach die Entscheidung selber überlassen, was sie später sein wollen, welche Klamotten sie tragen und mit welchen Spielsachen sie spielen. Ganz ehrlich? Diese Entscheidung möchte ich meinem Kind auch nicht nehmen. Dennoch geht mir diese Art von geschlechtsneutraler Pädagogik dann doch zu weit. Um die eigene Identität entwickeln zu können, begeben sich Kinder im Kindergartenalter geradezu auf die Suche nach Unterschieden zwischen Mädchen und Jungen. So habe ich Sätze wie diese schon tausendemale von Kindern gehört
  • Das ist NUR für Mädchen!/ Jungs
  • Das können NUR Mädchen/Jungen
  • Das ist eine Mädchen - /Jungenfarbe
Manchmal sind die Eltern genervt, weil sie den ganzen Tag dieses "Mädchen - Jungen - Ding" hören. Es scheint also sehr wichtig für die kindliche Entwicklung zu sein, sich klar als Mädchen oder Junge zu definieren. Und bei uns allen löst das biologische Geschlecht eines Kindes - bewusst oder unbewusst - bestimmte Erwartungen, Deutungsmuster und Reaktionstendenzen aus. Dies hat eben auch einen geschlechtertypisierenden Umgang mit dem Kind zur Folge. Wichtig finde ich dabei, dass man z.B. Mädchen auch in ihrer Stärke und ihrem Mut bestätigt und Jungs in ihrer Emotionalität genauso unterstützt!
Als das Rehlein bei ihrem Kumpel zuhause war und begann sich besonders für Motorräder und Autos zu interessieren, wurde mir klar, dass es gar keine "Jungen typische" Spielsachen bei uns gab. Als wir nun noch eine zufällige Begegnung mit einem Bagger auf der Straße hatten, strahlte mein kleines Mädchen wie selten zuvor. Wie schön! Konnte ich mich jetzt durch die Welt der Baustellen und Fahrzeuge kaufen und mir so viele ungestörte Kaffee Stunden verschaffen, denn das Rehlein spielte stundenlang damit. Zu Ostern gab es dann den super coolen Bagger von Playmobil und einen Kinderrasenmäher. Also eher "Jungenkram".  Ich sehe, wie meine Tochter diese Dinge in ihre Art des Spiels integriert und dabei dann doch wieder mädchentypische Sachen spielt. So fährt der Baggerfahrer die Hasen in seiner Schaufel, die dann anschließend getröstet werden müssen, weil sie ständig raus fallen. Trösten ist nämlich gerade hoch im Kurs. Dann werden sie zugedeckt, von der Mama gefüttert und gestreichelt. Vielleicht findet sie die Sachen nur toll, weil sie neu sind. Vielleicht wird sie ein genauso großer Barbiefan wie ich es einmal war. Vielleicht möcht sie später Profifussballerin (wohl kaum bei unseren Genen), Polizistin oder KFZ Mechanikerin werden. Alles gut. Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass ich mich auf das erste Mal shoppen und Kaffeetrinken von "Frau zu Frau" freue!

Donnerstag, 10. April 2014

Magische Erinnerungen

Wie alle Eltern, möchte ich den ein oder anderen Moment mit meinem Kind, fest einschließen, um ihn für immer parat zu haben. Augen schließen und abspielen können. Irgentwie wächst dieser Wunsch in letzter Zeit so stark. Vielleicht, weil im August alles anders wird oder weil das Rehlein mal wieder einen riesen Sprung in seiner Entwicklung gemacht hat. Wenn ich mir die Videos von den letzten 1 1/2 Jahren anschaue, bin ich wirklich dankbar für diese Dokumentationshilfe.So kann ich mir die vielen Momente noch einmal anschauen und begriefen, wie schnell Kinder in dem Alter wachsen und sich entfalten.
Doch manchmal braucht man nicht zu filmen. Manche Dinge brennen sich ein. Abends im Bett versuche ich vor dem Einschlafen noch einmal alle wichtigen Ereignisse des Tages abzurufen, um sie besser speichern zu können. Hilft das? Keine Ahnung, es beruhigt mich. So musste ich gestern immer wieder daran denken, wie ich mit dem Rehlein vor dem Zubettgehen noch gebetet habe. Ich sage dann immer ein kleines Kindergebet und danach erzähle ich von unsrem Tag. Und wie ich da so erzählte vom Rutschen und Einkaufen, begann das Rehlein plötzlich von seinen Erinnerungen zu berichten.
R: "Oma daußen Reihe!"
ich: "ja, wir waren bei der Oma."
R: "Oma daußen Reihe!!!"
Ich hatte keine Ahnung. Wenn man nicht weiß, worum es geht, kann man zum Glück mit einer Bestätigung nix falsch machen.
ich: "hmmm, draußen waren wir".
R: "DA REIHE!"
Da viel mir ein, wie ich das Rehlein bei der Verabschiedung noch über den Zaun am Vorgarten gehoben habe, damit es da auf dem kleinen Weg hin und her laufen kann. Und ich erinnerte mich, wie es dabei leise gesungen hat :" Reihe, Reihe, Reihe...."
Wenn ich Dinge aneinanderreihe singe ich immer: " Eine lange Reihe....!" Und da das Rehlein genau die gleiche Melodie verwendete, gehe ich jetzt mal davon aus, dass es den Weg wie eine lange Reihe gesehen hat.
ich :" Ach ja, du bist da bei der Oma auf dem Weg gelaufen!"
Erleichterung in den Kinderaugen Endlich hat die es geschnallt!
R: " Ja! Reihe, Reihe, Reihe!"
Dann konnte entspannt geschlafen werden.
"Irre", dachte ich. An was die sich so alles erinnern.
Das Rehlein weiß wo Oma und Opa wohnen, wo es in unserer Stadt Bagger zu gucken gibt und natürlich auch, in welchem Laden es eine Wurst an der Theke gibt. An was es sich wohl erinnert, wenn es groß ist? Ob es auch die ruhigen, kuscheligen Herzmomente mit Mama und Papa sind? Oder der blöde Moment, in dem das Playmobilmännchen von der Hosentasche herausgefallen und für immer und ewig in unserem schönen Fluß der Itter verschwunden ist? Ich wünsche mir, dass seine Erinnerung an die Kindheit, ein warmes, wohliges Gefühl herbeirufen, dass auch ein wenig Sehnsucht mit sich bringt. So wie ich es fühle, wenn ich an meine Kindheit denke. Dann denke ich nämlich an warme Sommerabende (wisst ihr noch, als es in den Sommerferien tatsächlich sechs Wochen lang warm und sonnig war?), an tolle Verstecke im Garten, Bauchkribbeln an Weihnachten und wie wir alle zu fünft auf Matratzen im Wohnzimmer übernachtet haben. Ich denke daran, dass ich lieber zuhause als im Kindergarten war und dass ich stundenlang spielen konnte. Ich bin davon überzeugt, dass ich alle wichtigen Erinnerungen in mir habe (wie soll ich auch wissen, welche nicht mehr da sind?) Anstatt sich davor zu fürchten, dass alles so schnell vorbei geht, versuche ich jeden Moment bewusst zu erleben. Und so kann auch ein kurzer Blick, eine kleine Berührung oder ein einziges gesprochenes Wort zu einer magischen Erinnerung werden.
Wie gut, dass sich mein Gehirn auch an unwichtigere Dinge, wie an die Wäsche erinnert. Die muss nämlich jetzt aufgehangen werden.