Donnerstag, 30. Mai 2013

Kindersicherung

Das man seine Wohnung kindersicher machen muss, wenn das Kind beginnt seinen Radius zu erweitern, ist ja logisch. Bis jetzt dachte ich da an Steckdosen, Kabel, scharfe Ecken, Treppen und das Katzenklo. Jetzt belehrt mich das Rehlein eines Besseren. Während ihrer Reisen über unsere schönen, alten Holzdielen, sammelt sie fleißig kleine Splitter. In ihren Haaren, in ihrer Kleidung. Dabei hat sie sich noch nie verletzt. Mit ihrer "Kugelmethode" schiebt sie ihren Kopf quasi nonstop über das Holz. Ihr scheint es sogar zu gefallen den Widerstand zu spüren. Wie eine kleine Schlange schlängelt sie sich durch die Wohnung und erprobt so ihre Wahrnehmung. Ich freue mich sehr über ihre Fortschritte, sorge mich aber dennoch. Noch kann sie mir nicht sagen, wo es ihr wehtut und ich möchte nicht in die Situation kommen, ein schreiendes Baby nach einem kleinen Splitter zu durchsuchen! 
Als ich das Thema neulich abends mit dem Platzhirsch besprach, hatte der eine wirklich unschlagbare Idee. "Tja, dann müssen wir eben den ganzen Boden mit Decken auslegen!" sagte er trocken. Nee klar. Das würde den Drama Kater freuen! Schließlich nimmt er die Babydecke dankend an sich. Diese und alle weiteren Gegenstände, die mit der Geburt des Rehleins hier eingezogen sind, wurden seiner Meinung nach schließlich nur für ihn gekauft und liebevoll arangiert. Der Hund weiß zwar, dass er nicht auf die Babydecke soll, aber ich werde ihn sicher nicht komplett aus einigen Zimmern verbannen, weil diese mit Decken ausgelegt sind. Und überhaupt und sowieso, nicht mit mir! Wir wohnen nun mal im Altbau, da gibt es eben auch alte Dielen, rissige Putzwände und knarrende Türen. Einer der Herzensonkel kam vorbei und bearbeitete die schlimmsten Stellen mit dem Schleifgerät. Da, wo mein Schreibtischstuhl sich immer wieder mit den Rollen über das Holz schiebt. Müssen also nicht die ganze Wohnung schleifen! Nach dem Einzug vor 7 Jahren hatte ich gehofft, das nie wieder tun zu müssen. Wer es schon mal erlebt hat, weiß wieso. Sandsturm in der Wüste ist nix dagegen. Also setze ich das Rehlein immer wieder brav auf seine Decke und warte, bis sie sich erneut zu mir rübergerollt hat. Ich will eh schon länger einen anderen Stuhl. Einen alten, ohne Rollen, mit Armlehnen. Wer also einen im Keller hat, bitte melden :-) 
Bevor wir nun zum Baumarkt fahren und alles weitere für eine kindersichere Wohnung besorgen, bestaune ich die Schlangenkünste meines Kindes und hoffe, dass sie ihre Methode bald ändert.


Sonntag, 26. Mai 2013

Ab jetzt ohne Quälerei bitte!

Neulich sitze ich nichts ahnend vor der Glotze und schaue ein bekanntes Mittagsmagazin, während ich mich meiner Maniküre und Pediküre widme. Gezeigt wird eine Reportage über die Gewinnung von Nerzöl. Hatte ich auf jeden Fall schon mal gehört. Klar ist auch, dass Nerz eine Art Marder ist, also ein in der Wildnis lebendes Raubtier. Indessen fahren die Reporter zu einer der sogenannten Nerzfarmen und ich frage mich schon jetzt, wie ich mich wohl am Ende der Sendung fühlen werde. Unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen dort den Nerz höflich um sein Öl bitten, oder? Und, wie schon erwartet, hat die Arbeit auf einer Nerzfarm nichts mit Höflichkeit zutun. Ich verzichte darauf, zu beschreiben, wie das Öl gewonnen wird. Kurz gesagt, es ist die reine Folter! Richtig geschockt war ich dann, als deutlich wurde, dass Nerzöl in nahezu allen Badezimmern vorhanden ist. Benutze ich Shampoo und Pflegecremes, für die ein Tier so sehr leiden muss? Was ist mit der Creme, die gerade an meinen Händen und Füßen zu "unwiederstehlicher Geschmeidigkeit" führen soll. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe und was das heutige Schöhnheitsprogramm angeht, kann ich mich entspannen. Doch wie sieht es mit dem Rest der Kosmetik aus? Noch bevor ich ins Bad trotte, verfluche ich meinen "Ich kann jede Probe gebrauchen - Tick". Meine Liebe zu immer wieder wechselnden Produkten schent sich nun entgültig zu rächen. Und das ist auch gut so! Was kaufe ich auch ständig neuen Kram, wo ich doch meine ♥ Pflege längst gefunden habe. Um es vorweg zu nehmen, die ist von Weleda und 100% Tierversuchsfrei. Ich mache mich also auf die Suche nach dem Nerzöl, oder wie es auch genannt wird : Minkoil oder Mustela - Öl. Wie praktisch, dass die Inhaltsangaben auf Artikeln so übersichtlich gekenntzeichnet sind *&%§`!grrr`/$&%'*
Stunden später komme ich zu folgendem Ergebnis: Glücklicherweise befindet sich nur ein Produkt in meinem Haushalt. Und dieses wirbt auch noch ganz klar mit dem Öl. Das würde dem Hund gar nicht gefallen! Da hatte ich einfach blind ins Regal gegriffen, nachdem sich mein Vierbeiner mal wieder in den toten Überresten eines anderen Tieres gewälzt hat. Das passiert mir nicht nochmal! Im Zuge meiner Recherche bin ich auf die Seite http://animalsliberty.de/ gestoßen. Hier werden alle gängigen Produkte entlarvt. Und siehe da, selbst Loreal, Dove und Garnier verzichten nicht auf Tierversuche. Und die sind sehr wohl in unserem Bad zu
finden. Irgendwie traurig, dass ich erst mit der brutalen Wahrheit konfrontiert werden musste, um mich für einen bewussteren Umgang mit Produkten zu entscheiden. Doch jetzt ist es so und ich möchte nicht länger wegschauen. Also schnell weiter informiert und siehe da, auch bei Babynahrung ist der Wurm drin. Tröstlich, dass ich bis jetzt keine der "rot markierten"  Dinge gekauft habe! Die oben genannte Seite ist sehr übersichtlich und so kann doch sicher jeder von euch mal einen Blick auf seine Lieblingsartikel in der Liste werfen, oder? Ich durchforste in der Zwischenzeit meinen Fundus nach Marken, die ohne Tierversuche auskommen und entsorge den Rest. Dafür werde ich dann sicher nach dem Wochenende mit einer absolut notwendigen Shoppingtour belohnt, denn ohne Kosmetik möchte ich auch nicht leben. Aber ab jetzt ohne Quälerei bitte!


Mittwoch, 22. Mai 2013

Wo ein Wille ist...

Ich bekenne mich schon seit einiger Zeit zur "Teilzeit - Spießigkeit". Das heißt, ich verbringe meine Freizeit mit Tätigkeiten, die für andere Menschen den typischen Spießer ausmachen. Nicht ausschließlich, aber eben doch hin und wieder ganz gerne. So halte ich mich zum Beispiel, bei schönem Wetter, jede freie Minute in unserem Garten auf, um etwas ein - oder umzupflanzen, zu beschneiden, zu düngen oder auch rauszureißen. Letzteres mit viel Bedacht, denn noch lieber schaue ich einfach zu, wie die Natur sich ihren Weg bahnt und immer wieder neue Pflanzen zu uns trägt. Aber natürlich ist dies auch ein schönes Stück Arbeit und nicht immer habe ich Lust den Rasen zu mähen, wo ich dies doch erst vor einer Woche getan habe. Recht angenehm kann da der ein oder andere Regentag sein. Wenn es so kalt und "usselig" wie in den letzten Tagen ist, habe ich selbstverständlich andere Dinge zu tun, als mich dem Urwald hinterm Haus zu witmen. Und wirklich, als ob es kein Morgen geben würde, sammelt das Grün all seine Kraft und explodiert quasi im tristen April / Mai Wetter. So fing mein Schnittlauch, welches im letzten Winter mehr als erfrohrens schien, an sich auf die Blüte vorzubereiten. Noch nie hatte ich blühendes Schnittlauch!
Was mich aber noch mehr wundert, ist der Überlebenswille des Efeus. Kennt man ja, das resistente Kletterkraut. Im letzten Herbst habe ich die Wand der Nachbarn komplett davon befreit. Es hatte sich schon unter das Dach vom Anbau geschoben und so viel Natur wollte dann doch niemand im eigenen Wohnzimmer. Jetzt fiel mir die Tage dieser kleine Trieb auf, der von mir völlig unbemerkt wieder zu neuem Leben erwacht ist, ohne Kontakt zur Erde zu haben. Seit Monaten vom Erdboden getrennt, versucht es die Pflnaze doch noch den Weg zum Sonnenlicht zu finden.
Und die Erdbeeren, die hin und wieder den "Hundespezialdünger" erhielten, suchen sich nun ihren ganz eigenen Weg und bevorzugen anscheinden die Steine vor dem Beet.
Unserem Garten ist es also erst einmal egal, dass vom Sonnenschein weit und breit nix zu sehen ist. Und schließlich muss es ja weitergehen. Wo ein Wille ist, ist eben auch ein Weg! Kann es kaum erwarten, dem rehlein eine Matschecke einzurichten und mit ihm gemeinsam Blumen und Gemüse zu säen.

Mittwoch, 15. Mai 2013

9 Monate Rehlein

Heute bist du 9 Monate und 1 Tag alt und das Leben mit dir macht einfach nur Spaß! Im Moment leidest du allerdings sehr unter den 4 Zähnen, die frecherweise alle gleichzeitig aus deinem Oberkiefer sprießen. Fieber und Schmerzen bestimmen nun schon den zweiten Tag unseren Alltag. Doch auch das geht vorüber und gemeinsam schaffen wir das *Schakka*!
Wenn du also nicht gerade Zähne bekommst verbringst du so deinen Tag:
Du bist wirklich ein zufriedenes Kind. Nachs kommst du wie ein Urwerk und trinkst alles bis zum letzten Tropfen auf. Auch sonst beginnst du immer häufiger wie ein Scheunendrescher zu futtern. Wir bewegen uns langsam von total pürriert hin zu stark zerstampft und obwohl du nach wie vor empfindlich auf ungewohnte Nahrung im Rachenbereich reagierst, wird nicht alles wie sonst ausgespuckt. Wasser geht immer und so liebst du deine kleine Trinkflasche abgöttisch. Der Schnabel geht schon auf, da hast du sie gerade mal irgendwo entdeckt. Du kugelst dich quer durch den Raum, wobei dein Radius immer noch überschaubar ist. Schön für mich, denn so klappen Haushalt und Babybespaßung noch sehr gut! Am liebsten räumst du deine Spielkisten aus. Betohnung liegt hier auf AUS. Das mit dem EINräumen kommt sicher später :-)
 Hin und wieder gibt es Tage, an denen du am liebsten an meinen Bauch getackert wärst. Wenn ich den Raum verlasse, zeigst du deutlich, dass dir das nicht gefällt. Also kommst du auch schon mal mit ins Bad und darfst mir von Badezimmerteppich aus beim Duschen zuschauen. Dabeisein ist eben alles! Der Kinderwagen ist deine Festung. Schön die Lehne hochgestellt, wird alles und jeder streng beobachtet. Dabei saugst du nach wie vor alles wie ein Schwamm in dich auf. Du wechselst gerne auch mal den Schoß, so lange ich in der Nähe bin - kein Problem. Der Hund und der Chaoskater werden morgens mit einem lauten Quitschen von dir begrüßt und wenn sie sich durch die Bude jagen oder vor deiner Nase schmusen, gluckst du vergnügt. Deine Harre wachsen zunehmend dichter, man könnte schon eine kleine Locken hinter den Ohren abschneiden, doch der Platzhirsch weigert sich. Vielleicht befürchtet er, dass ihm dadurch dein schnelles Wachstum noch bewusster wird. Vor ein paar Tagen hast du zum ersten mal mein Gesicht in deine kleinen Hände genommen und mich mit aufgerissenen Mund und einem langen "aaaahhhhhh" abgelutscht. Das sollte doch bestimmt ein Küsschen sein, oder?
Es ist ein bischen schwer, über das gutgelaunte Baby zu schreiben, wenn man seit über 48 Stunden nur ein weinerliches "armes" Baby zuhause hat. Ich leide so sehr mit dir! Doch das Größerwerden beinhaltet eben auch mal solche Tage und wie heißt es doch so schön : " Jeder Infekt, jedes Fieber stärkt das Imunsystem ihres Kindes!" Ich kann mich zwar wirklich nicht darüber freuen, aber ich spüre, wie ich immer gelassener damit umgehe, wenn es dir schlecht geht. Da ich die letzt Nacht mal wieder mit dir gemeinsam im Bett verbracht habe, schmerzt mein Nacken vom eweigen "Rechtsliegen", denn du hast mich mit deinen Händen festgehalten und deine Beine sind direkt nach dem Einschlafen - zack- wie ein Klappmesser zur Seite gekippt und halb auf meinen leigen geblieben. So konntest du sicher gehen, dass ich bei dir bleibe.  Jetzt schlummerst du deinen Mittagsschlaf und ich bete die Zähnchen an, dass sie dir nicht noch mehr Schmerzen bereiten. Unvorstellbar dich jetzt nicht bei mir zu haben! Was machen die Mamas, die wieder arbeiten müssen? Wie schaffen sie ihren Tag, mit dem Wissen, dass das Kind wo anders auf einem anderen Arm leidet? Zum Glück haben wir noch 15 Monate Zeit, bis wir zwei tagsüber getrennte Wege gehen. Und dann bleibe ich bei jedem Fieber und wenns dir schlecht geht, bei dir. Da kenn ich nix. Versprochen!

Freitag, 10. Mai 2013

Kein Geld der Welt...

Wie schön, dass es immer rnoch Dinge gibt, die man selbst mit 32 zum ersten mal tut! So habe ich gestern zum ersten mal Lotto gspielt. Online, von zuhause aus. Ich glaube, ich wäre nie in eine Lottobude gegangen. Bis jetzt hatte ich immer Sorge, ich würde etwas falsch machen. Das ist natürlich Quatsch. Schließlich möchten die Chef`s vom Lottoverein, dass jeder Idiot die Regeln versteht. Mein Enthusiasmus wurde allerdings promt vom Platzhirsch zerstört, der mir erst einmal erklärte, dass es total sinnfrei wäre, die Zahl 19 zu tippen, da ja viele Menschen 19...irgendwas Geburtstag haben und man weiß ja, dass alle ihren Geburtstag tippen. Ich wusste nicht, weswegen ich mich mehr ertappt fühlte. Wegen der Tatsache, dass gleich zweimal die 19 auf meinem Schein stand, oder dass ich einfach drauflos getippt hatte. Also quasi die Zahl, die mir vor die Linse kam. Ganz spontan, ohne nachzudenken. Querbeet eben. Glücklicherweise ist der Platzhirsch ein schlauer Mann und so hielt er sich nicht weiter an meiner "Tippen für Anfänger" Wahl auf, sondern überlegte direkt, was man mit dem Geld machen könnte. Welche Summer dabei heraus kommt, war uns egal, hauptsache es reicht für alle! Und wenn man so überlegt, wer alles unter "Alle" fällt, muss es eine hohe Summe sein. Wir denken da nämlich an Dinge wie Häuser der Liebsten abbezahlen, gemeinsamer Urlaub mit der ganzen Familie, Anbauen, Ausbildungsfond fürs Rehlein, Selbstständigkeit, Firmengründung usw. Nicht etwa so etwas unnötigens wie Shoppen...*räusper*. Als wir mit der "Wünsch dir was" Sache durch waren, fragte er mich, wie so oft: "gehts dir gut?" Eine eher retorische, routinierte Frage. Und ich sagte " Wie könnte es mir nicht gut gehen?" Und wir beide wussten, was gemeint war! Kein Geld der Welt kann kaufen, was wir schon besitzen. Unsere Liebe und ihr Resultat.
Jetzt hängt der ausgedruckte Schein an meiner Pinnwand und ich warte auf die Samstagsziehung. Für 10 Euro und 10 cent kann man sich ruhig mal ein wenig Träumen gönnen um dann ganz nebenbei feststellen, dass man schon alles hat.
Schönes Ding!

Mittwoch, 24. April 2013

Mein kleines Wunder

Heute ist zum ersten mal passiert! Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Ganz plötzlich. Nach über einem Jahr zuhause, wünschte ich mir heute meinen Job zurück. Heute, anders als sonst, hatte ich schon morgens das Gefühl, nichts mit mir anfangen zu können. Die Nacht war erschreckend kurz. Ich fühlte mich als hätte ich bis morgens durchgetanzt. Und das spürte wohl auch das Rehlein, das mir beharrlich zeigte, dass es mit der schlechten Laune prima mithalten konnte. Sie aß schlecht, sie schlief schlecht und das Fieber der letzten Nacht hielt sich ebenfalls wacker. Ich sagte einen Termin ab, auf den ich mich gefreut hatte und stand nun vor einem leeren Nachmittag mit einem knatschigen Kind.Und da, während ich am Rechner sitze und kurz gedankenverlohren aus dem Fenster glotze (ich habe schon öfters erwähnt, wie gut das "ausdemFensterglotzen" tun kann), ist sie einfach auf mich gefallen. Diese Decke. Es war ein Gefühl der Langeweile. Ein "Ich muss doch hier raus" Gedanke. Für gewöhnlich fällt mir immer was Schönes ein. Doch heute schien ich wie gelämt. Aus irgendeinem Grund war alles doof. Wir gingen nicht raus, denn es fand sich nichts, dass mich motiviert hätte.Und so bekam ich schlicht und ergreifend schlechte Laune. 
Das zog sich den ganzen Tag hin und alle mussten unter mir leiden. Natürlich gab es auch vereinzelte schöne Momente. Schließlich habe ich ja das süßeste Kind der Welt. Doch dieses verhielt sich ähnlich wie seine Mutter, wahrscheinlich um sich einfach an die Gegebenheiten anzupassen. Sogar der Hund musste das ein oder andere völlig unnötige Leinenrucken über sich ergehen lassen und entschied sich so zum Dauerziehen, nur um nicht neben mir, der Spaßbremse laufen zu müssen.
Als nun endlich der Rehleinpapa von der Arbeit kam, verdoppelte sich das üble Karma, denn er hatte anscheinend einen ähnlich bescheidenen Tag hinter sich. Ich fieberte dem Feierabend entgegen, um mich von leichter Unterhaltung des Fernsehens berieseln und leise in den Schlaf labbern zu lassen. Doch wie das Leben nun mal so spielt, lief alles anders. Ich habe mich stets damit gebrüstet, wie schön doch das Rehlein abends ins Bett geht. Flasche, singen hinlegen, fertig! 
Heute nicht. Heute schien sie wütend und traurig zugleich zu sein. Sie weinte, schrie und kam auch nach mehreren "Hand auf den Bauch, Spieluhr an, Kuss und tschüss" nicht zur Ruhe. Als sich spürte, wie die schlechte Laune sich in Wut wandelte, beschloss ich eine Auszeit zu nehmen. Ich setzte mich auf den Balkon. Kurz die Augen schließen und durchatmen. "Bitte, bitte gib mir mehr Gelassenheit" murmelte ich. Gelassenheit, die ich mich durch alle Arten des Stresses sicher hindurchführt. Alles ist gut, ich bin ein glücklicher Mensch und schätze, dass man mich auch so wahrnimmt. Die Kleine darf auch mal einen schlechten Tag haben! Ich hörte das Kind, dass jetzt jammernd und schlurztend durch das Babyfon dröhnte. Wie war das noch mit dem Schreien lassen? Soll man doch nicht tun, weil die Kinder sich dann alleine und verlassen vorkommen...irgendwie kam ich mir auch alleine und verlassen vor. Mich durchströhmte eine Welle des schlechten Gewissens und so ging ich zu ihr, setze mich an das Bett und athmete tief in mich hinein.



 In der Stille des Kinderzimmers schaute sie mich durch die Stäbe des Bettes an, beruhigte sich sofort und als ob ich ihre Gedanken lesen könnte, wusste ich, dass sie einfach nur noch ein wenig Sicherheit brauchte. Sicherheit für dieses Tag, an dem ich mit schlechter Enrgie großzügig nur so um mich geschmissen hatte. Plötzlich war ich ganz ruhig und für einen Bruchteil einer Sekunde sah ich die Welt durch ihren Augen. Ich begriff, dass ich mich an diesem Abend noch nicht, wie sonst üblich, bedankt hatte. Noch nicht "danke" gesagt für dieses wunderschöne Leben! Noch nicht "danke" gesagt für dieses Geschenk da vor mir! Ich schämte mich für meinen Missmut und dafür, dass ich für das Wesentliche heute kein Auge hatte. Da streckte mir das Rehlein seine kleinen Hände durch das Bett. Ich ergriff sie sofort und es verschlug mir den Atem, wie wundervoll dieser Moment war. Aufmerkam beobachtete sie mich und ohne den geringsten Laut streichelte sie mehrere Minuten meine Hand. Ich bin mir sicher, dass das die Antwort auf meine Bitte nach Gelassenheit war. Mit der Gelassenheit kam die Dankbarkeit und ich konnte Teil dieses Momentes sein. Kurz darauf ließ sie mich los, aber folgte jede meiner Bewegungen mit ihren dunklen großen Augen.
Dann schlief mein Fuß ein und ich wollte natürlich auch nicht für den restlichen Abend hier im Dunkeln sitzen. So stand ich mit einer "Was tun wenns nicht klappt - Strategie" im Kopf, einfach auf und ging hinaus.
"Wenn das jetzt klappt, fress ich nen Besen!" sagte ich zur besseren Hälfte im Wohnzimmer. Bescheuertes Sprichwort und doch wieder gesagt!
Was soll ich sagen. Es hat geklappt sie war damit zufrieden. Damit, dass ich mit viel Gelassenheit den Abend beendet habe.
 Das Danken hilft, wenn man vergessen hat, wie es eigentlich geht, das Zufrieden sein. Das hier ist sehr persönlich und dennoch schreibe ich es, um vielleicht den ein oder anderen zum "danke" sagen zu animieren und um mich ewig an diesen Moment zu erinnern. An diesen Moment in dem ich mein kleines Wunder erlebte. Ganz unaufgeregt. In Jogginghose auf dem Fußboden vor dem Bett meiner Tochter.



Freitag, 12. April 2013

 8 Monate Rehlein

Jeden Morgen sehe ich dich an und bin mir sicher, dass du dich erneut verändert hast. Ein anderer Blick ein neues Geräusch, eine noch nie dagewesene Geste. Nach wie vor bist du ein sooo zufriedenes Kind! Wenn du Platz hast, kugelst du hin und her. Wenn nicht, dann eben nicht. Immer häufiger lässt du dein Nachmittagsschläfchen aus, denn solange etwas passiert, möchtest du nichts verpassen. Seit den Fiebernächten schläfst du unruhiger und Träume reißen dich aus dem Schlaf. Wie schön, dass dich unsere Hand auf dem Bauch und ein kleines Summen, wieder zur Ruhe bringt. Ich erschrecke jedes Mal, wenn das Babyfon anspringt. So sehr ich es auch versuche, das kann ich nicht abstellen. Nachts trinkst du uns die Haare vom Kopf, während du tagsüber nicht auf die Idee kommen würdest nach Essen zu verlangen. Klar, du magst deinen Brei (nur bitte keinen Blumenkohl) und auch das Fläschchen wird genehmigt, aber eben erst, wenn man es dir unter die Nase hält. Also von mir haste das nicht! Das Wickeln ist inzwischen Schwerstarbeit, da du nur zu gerne Mamasordnungssystem auf dem Wickeltisch durcheinander bringst und komischerweise das Drehen da besonders wichtig für dich scheint.. Dabei windest und wendest du dich wie ein Wurm und findets es sehr witzig, wenn ich verzweifelt "nein, nein, nein" sage. Dein Held ist der Rehleinpapa und wenn er durch den Raum läuft, könnte man meinen, du drehst deinen Kopf um 360 Grad. Guckt er dann, zappelst du ganz aufgeregt und lachst so süß, dass er dich einfach schnappen muss, egal, was er gerade vorhatte. Ich bin also ganz sicher nicht mehr die wichtigste Frau in seinem Leben :-)
Du liebst es, Tücher von irgetwo runterzuziehen. Kurz bevor es auf dich fällt, guckst du mich ganz aufmerksam an und wir kichern gemeinsam vor Spannung. Es folgt ein Lachen, das mich alles vergessen lässt. Du bist die beste Seelensalbe, die ich mir vorstellen kann! Wenn du da bist, muss ich dich ständig anschauen, um dir ein Lächeln zu entlocken. Wenn du schläfst vermisse ich dich und wenn du in den seltenen Fällen mal nicht in meiner Nähe bist, versuche ich mir deinen Geruch herbeizuriechen. Du hast zwei Zähnchen bekommen und sie blitzen unten auf, sobald du den Mund aufmachst. Beim Abendessen sehnst du schon während des Breis die Möhre herbei, die du danach fachmännisch untersuchst. Dabei drehst du sie langsam in deiner Hand und kommentiert höchst konzentriert alle Einzelheiten. Deine zwei Zähne knabbern darauf herum und mittlerweile bist du nicht mehr ganz so irritiert, wenn du tatsächlich ein Stück abbeißt.
Manchmal weiß ich nicht, ob ich glücklich oder traurig sein soll, dass du nun schon so groß bist. Ich freue mich über jeden Entwicklungsschritt und doch bin ich mir bewusst, dass jeder Einzelne davon dich zu mehr Selbstständigkeit führt und dadurch auch mehr Raum zwischen uns entsteht.

Ich gönne dir jeden Zentimeter, mein ♥ Kind!!!!